Trans*aktionspause

Vor ungefähr einem Jahr war ich ziemlich sicher, dass Chris noch vor Weihnachten 2010 seine Brust-OP gehabt haben würde.

Dem war nicht so.

Ehrlich gesagt, habe ich in dem Wust von ÄrztInnen, Gutachtern/PsychotherapeutInnen, Krankenkassen und sonstigem Ämter- und Medizinkrams ein bisschen den Überblick verloren, was genau wann genau passiert ist. Chris hat nämlich nicht nur das Trans*thema in Angriff genommen, sondern ist ‚ganz nebenbei‘ auch noch seine chronischen Schmerzen angegangen und hat allerlei Lohnarbeitsdrama und -unsicherheit durchgestanden. Zeitweise hatte er bis zu drei Behandlungs-, Untersuchungs- bzw. Beratungstermine pro Woche, monatelang. Manchmal wusste keine*r von uns mehr so richtig, welche Baustelle jetzt am dringendsten bearbeitet werden musste, weil alles irgendwie miteinander verknäult war und an jedem Ende ein dicker Knoten aufs langsame Auseinandertüddeln gewartet hat. Existenzielle Sorgen um den eigenen Lebensunterhalt machen es zudem auch nicht einfacher, sich konzentriert und enthusiastisch um seine medizinischen und trans*technischen Angelegenheiten zu kümmern. Chris kam sich irgendwann jedenfalls quasi rundum ‚defekt‘ vor, was weder seine noch meine Lebensqualität gesteigert hat.

Inzwischen ist ein bisschen Ruhe eingekehrt. Ich habe einen neuen unbefristeten Job, und er hat ebenfalls einen neuen Job, der zumindest befristet finanzielle Sicherheit verspricht. Die chronischen Schmerzen sind zwar immer noch da, aber er verbringt nicht mehr ganz so viel Zeit in irgendwelchen Praxen. Seine „Therapeutin“ hat sich zwar geweigert, ihm eine Bescheinigung über eine durchgehende Behandlung auszustellen (sie fand seinen Entschluss, vorübergehend Hormone zu nehmen, inkonsequent), aber zumindest steht er jetzt nicht mehr ganz ohne Nachweis über die von der Krankenkasse geforderte „psychologische Begleitung“ da. Und Hormone nimmt er ja jetzt auch schon eine ganze Weile. (Momentan ist er übrigens massiv im Stimmbruch und wechselt munter zwischen Brummen und Quietschen, was wir beide mit Humor nehmen. Und da die Hormone das eine oder andere alte medizinische Problem verstärken bzw. neue medizinische Probleme schaffen, hat er vor einiger Zeit auch beschlossen, nur noch so lange Testo zu nehmen, bis er mit dem Stimmbruch durch ist. Was ziemlich unberechenbar eine Zeitspanne zwischen zwei Monaten und zwei Jahren sein kann, wenn man den Ergebnissen meiner oberflächlichen Google-Recherche trauen will.)

Der nächste Schritt wäre jetzt, seine ganzen Unterlagen und Bescheinigungen an die Krankenkasse zu schicken und darauf zu hoffen, dass die einfach ihr Okay für die OP gibt und nicht darauf beharrt, dass die Standard-Anforderungen bis zum letzten I-Tüpfelchen genauestens erfüllt werden (womit dann schätzungsweise Runde Nr. 378 des Trans*karussels losginge).

Aber irgendwie scheint gerade Trans*aktionspause zu sein, jedenfalls höre ich nichts über derartige Aktivitäten. Ich soll doch einfach nachfragen? Ja, den Rat hätte ich wem anders wahrscheinlich auch gegeben. Aber irgendwas hält mich davon ab. Ist doch gar nicht mein Job, ihn zu schnellerem Handeln in diesem Punkt zu animieren (und Nachfragen signalisiert ja zwangsläufig, dass mir die Wartezeit gerade etwas lang vorkommt). Soll er doch seine Transition in seinem Tempo und auf seine Art machen.

Gleichzeitig frage ich mich aber manchmal, wann er denn endlich mal einen ‚vorläufig finalen‘ Stand der Dinge erreicht. Also einen Zeitpunkt, wo man mal über andere Lebenspläne sprechen könnte. Zum Beispiel, was jede*r von uns denn so für Wünsche an die Zukunft hat, und wie die zusammenpassen. Wo wir wohnen wollen würden, wenn wir hier mal ausziehen. Was und wie wir idealerweise arbeiten möchten. Ob wir tatsächlich mit dem einen oder anderen Tier unseren Alltag teilen wollen. Sowas halt. Wo die Zukunft deutlich über „wenn Chris endlich seine Brust-OP durch hat“ hinaus geht. Ich werde nämlich das Gefühl nicht los, dass wir beide auf diesen diffusen Zeitpunkt ‚danach‘ warten, ab dem dann endlich wieder Platz, Zeit und Energie für andere Themen ist. Natürlich funktioniert das Leben so nicht, und die anderen Themen quetschen sich immer wieder dazwischen. Aber es ist schon was anderes, sich mit beruflichen Zukunftsfragen zu beschäftigen, weil man aufgrund äußerer Umstände gerade muss, als sich entspannt ein paar Gedanken über sein zukünftiges Arbeitsleben zu machen, weil man gerade möchte. Und auch wenn ich nicht erwarte, dass eine*r von uns in naher Zukunft ein irgendwie ‚endgültiges‘ Geschlecht findet und einnimmt, so hätte ich doch langsam gern mal ein etwas ‚finaleres‘ Gefühl zu seinem Geschlecht, so für eine Zeitlang.

Für mich war und ist bisher die Brust-OP (inklusive Erholungszeit) so ein Ereignis, das einen gewissen ‚Schluss‘ markiert. Schließlich war der Wunsch nach dieser OP der Auslöser für den ganzen offiziellen Trans*kram.

Ich glaube, ich frage ihn jetzt doch mal, wie der Stand der Dinge gerade ist…

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12 Antworten to “Trans*aktionspause”

  1. tuc Says:

    Oh Gott, wie anstregend, ätzend, grrr… Andererseits kenne ich es von mir auch, dass ich erst Mal ganz wild darauf bin, etwas zu machen, weil ich den Nutzen darin sehe. Und dann dauert es und dauert… weil es so viele äußere Hemmfaktoren gibt. Und dann muss ich immer Mal Pausen einlegen. Die auch zwei Monate lang sein können. Das ist bei mir Teil vom Prozess. Schließlich ändern sich Sachen und müssen neu überdacht werden.

    Vielleicht solltest du deine Zukunftspläne ein wenig unabhängiger von ihm in Angriff nehmen?

  2. trans*liebchen Says:

    Ach, ich bin gar nicht wirklich genervt von Chris (denn der ist ja auch nicht beglückt über noch einen Sommer, in dem er sich nicht den Temperaturen angemessen anziehen – bzw. ausziehen – kann), sondern eigentlich nur von der ganzen Situation, die sich gefühlt nun schon eine halbe Ewigkeit hinzieht. Und ich bin halt nun mal nicht die zentrale Figur in dieser Situation, auch wenn ich ‚indirekt‘ noch so betroffen und genervt bin. Heißt, mein Handlungsspielraum ist ziemlich begrenzt, denn die Krankenkasse arbeitet auch nicht schneller, wenn ich da anrufe und sage, dass sie sich mal beeilen sollen (mal abgesehen davon, dass ich sowas Chris gegenüber auch entmündigend fände, wenn ich nicht ausdrücklich darum gebeten werde).

    Um ein bisschen Balance ins Gesamtbild unseres Miteinanders zu bringen: Chris hat vor einigen Jahren geduldigst meinen Uni-Abschluss mit mir durchgestanden. Der hat sich ebenfalls elend lange hingezogen, hat seine Zukunftspläne zumindest verlangsamt, und die Verzögerungen waren obendrein in weiten Teilen tatsächlich meine Schuld. Vor dem Hintergrund finde ich, er hat eh noch was ‚gut‘ bei mir. ;)

    Und was meine Zukunftspläne und die Unabhängigkeit derselben angeht: Natürlich ist z.B. mein weiteres Arbeitsleben erstmal meine eigene Angelegenheit und sollte von mir auch als solche bedacht werden. Aber da ich vorhabe, meinen Alltag auch weiterhin mit Chris zu teilen, sind bestimmte Entscheidungen (z.B. darüber, was grundsätzlich als Lebensort in Frage kommt) halt nicht mehr allein meine Sache, sondern unsere gemeinsame Sache…

    Und so übe ich mich eben in Geduld. Was mir an manchen Tagen (siehe oben) schwerer fällt als an anderen.

  3. thoughtsunderconstruction Says:

    *hach* Ist das romantisch mit euch beiden!

  4. Marlene Kuhlmann Says:

    Hi Transliebchen, ich antworte mal nicht artikelspezifisch, sondern „global“.
    Was du schreibst ist einerseits sehr spannend und wichtig für mich und andererseits wegen deiner terminologischen Eingrenzung auf bestimmte Kategorien und Labels, die ich nicht gebrauche und die du dem Menschlichen verpasst, merkwürdig anmutend, aber ich habe inzwischen versucht, mich auf diese Wortart einzulassen und das Dahinter zu verstehen. Ich kann total nachvollziehen, dass du diesen Austausch haben willst und dich teilweise vielleicht mit all diesen Varianten des Menschlichen allein fühlst oder vielleicht auch manchmal sehr verwirrt. Gleich vorneweg. Es gibt eben auch die Partnerseite, die im Translebensbereich so ziemlich unter den Tisch fällt, wenn der Partner keine gravierenden Geschlechtmerkmalsveränderungen vollzieht. Ich möchte manchmal auch gern in irgendsoeinen Austauschort gehen, wo Leute wie ich sind, aber diese Räume entdecke ich allerhöchstens mal im Internet. Man erkennt sich nicht. So bin ich es gewohnt, allein durch das Gestrüpp des Seins zu gehen und kann immer nur partiell rauslassen, was mich so treibt. Bei deinen Beiträgen wird mir klar, dass du tendenziell begehrensmäßig auf das Gegenteil von dem abzielst, auf was ich abziele. Phänomenologisch fühle ich mir dir aber trotzdem nah und irgendwie verwandt. Ich kann mich vielleicht nicht so wissenschaftlich eloquent ausdrücken, aber I´ll give my very best, ok?
    Ich will dir gleich beschreiben, und dabei vergeht dir vielleicht wegen meiner Begrifflichkeiten der Geschmack, wer ich so in etwa bin und woher ich innerlich komme.
    Gebürtige Frau, die aber von Anfang an optisch eher einem Jungen glich. Habe einen jungshaften Körper mit breiten Schultern und bodybuildingartigen Muskeln, drahtiger athletischer Typus und sehr schmale Hüften mit Miniaturtaille, wie die eines kleinen Mädchens. Mein Beine sind mittellang, etwas kürzer geraten im Verhältnis zum Restkörper. Das fällt wahrscheinlich nur mir auf. Habe ein nordisches Gesicht, große Augen, große Nase, N***mund, lange brünette Haare, bräunliche Haut, keckes Lächeln und habe sehr viel Körperkraft, Tänzerisches, Musikalisches neben meinen unendlich neugierigen Hirnwindungen, die mich dazu gebracht haben, viel zu reden, viel zu schreiben und dann wiederum total den Rückzug anzutreten.
    Warum ich das erzähle? Weil eben diese Ungereimtheiten auch dazu geführt haben, dass ich schon mit 6 Jahren wusste, spürte, dass ich anders ticke. Ich konnte nicht begreifen (und verachtete insgeheim Mädchen und Jungen), warum die Geschlechter so besonders geschlechtsbezogenes, übertrieben artgerechtes Benehmen zeigten. Ich äffte das Verhalten wie eine Schauspielerin nach und macht mich darüber lustig, habe mich auch als Junge verkleidet, um Mädchen aufzureißen und zu beweisen, dass ich das besser kann und locker drauf habe. Ich fand es unnatürlich, geschlechtspezifisches normiertes Verhalten an den Tag zu legen und war mir damals sicher, dass es nicht real ist. Ich versuchte also vehement, ein ungeschlechtlicher guter Mensch zu sein, der alles sein/spielen darf und niemandem etwas tut. Das verwirrte meine Umwelt zunehmend, weil ich es auch mit stetiger optischer, teilweise provokanter Veränderung bei den Klamotten verband (kreativer Ausdruck meiner Selfmadeidentität), damit man mir meine Freiheit ließ und mich um keinen Preis kategorisieren und einordnen sollte. Mein Ideal war eine glatte Person zu sein, keinen Schwanz, aber auch keinen Busen zu haben, so eine Art weiblicher Spargeltarzan zu bleiben, supergelenkig, superbeweglich. In meinen Träumen war ich „Supermädchen“, die konnte alles, Fliegen und Tauchen, rettete ständig Prinzen und Prinzessinnen.
    Das Elend fing mit dem Busenwachstum an. Gott sei Dank blieb der Busen sehr klein. So, das ist jetzt mal der Ausgangspunkt meines darauf folgenden Geschlechts- und Liebeslebens. Sicher fragst du dich jetzt, wen liebte sie und kriegte sie, bzw. von wem/was ließ sie sich finden.
    Obwohl mein kleiner Bruder und mein Cousin Schwule waren und meine Oma eine Lesbe, kam mir zunächst nicht in den Sinn, dass ich vielleicht Lesbe oder Bi sein könnte und schon gar nicht hätte ich mich dann irgendwie geoutet, weil ich ja sowieso die chronisch sich outende im sich Nichteinordnen war. Ich verliebte mich zunächst erfolgreich in Reihe in optisch total feminin aussehende Männer, lange Haare, fast nur Musiker oder Maler. Die Beziehungen dauerten 3-8 Jahre. Parallel verliebte ich mich dazwischen kurzfristiger aber auch in so ähnliche Mädchen wie mich selbst und liebte die auch. Das Resümee war, dass ich feststellte, dass unabhängig vom einzelnen Menschen immer irgendetwas zu fehlen schien, etwas Körperliches? Ich konnte mich erotisch nicht vollständig ausleben. Fehlte die Fusion der Geschlechter in einer bestimmten Hinsicht? Ich sah dann mal einen unglaublichen Film über einen Zwitter und verliebte mich unsterblich in die Filmfigur.
    Das einzig Bleibende waren und sind meine beiden Kinder (2 Mädchen, im 10-Jahresabstand).
    Dann kam eines Tages, nach einer desaströsen 14jährigen Ehe mit einem unerträglichen „Normalo“ die absolute Überraschung in mein Leben. Ich lernte eine hübsche langhaarige Frau kennen, die (das war schon nach 10 Minuten klar) gebürtiger Mann war. Ich kann gar nicht beschreiben, was mir da schwante. Ich hatte noch nie so aufgeregte Glücksgefühle in mir, wie in dem Moment. Ich fragte sie gleich, ob sie, weil sie einen so auffällig schönen Busen hätte, auch eine Geschlechtsumwandlung durchgezogen hätte. Sie hatte nicht und lehnt das auch für sich ab. Ich war supererleichtert und begeistert. Da wurde mir ganz deutlich klar, dass sie zumindest physisch das Allerbeste und Schönste sein müsste, was ich mir immer insgeheim gewünscht hatte. Ich habe sie mir im wahrsten Sinne des Wortes „gegriffen“, was sie absolut nicht erwartet hatte und was sie vollkommen überwältigte, weil ich über alle ihre Bedenken und Befindlichkeiten einfach wie im Rausch hinweggefegt bin und sie relativ schnell in mein Bett „verfrachtet“ hatte, was toll war. Natürlich bin ich kein maniac und habe parallel mit ihr Gespräche ohne Ende geführt, die mir ihren wunderbaren Geist und ihre Menschlichkeit gezeigt haben, die ebenfalls ganz besonders sind.
    So und jetzt kommt der Haken an der Geschichte. Es sind die Hormoneinnahmen und das Verhältnis zu ihrem Körper und ihren abgespaltenen Gefühlen, was die Sache auf die Dauer für mich echt schwer macht. Für sie sind die Veränderungsprozesse, die sie durchgemacht hat, schmerzvoll gewesen, ein Leidensvermeideweg, ein Versuch, einen Sonderstatus zu erlangen, einen Schonraum, der sie nicht mehr angreifbar macht. Ich bin da in eine Starre reingegrätscht, die ihr ganzes Lebenskonzept zum Zusammenbruch gebracht hat. Sie hat oft panisch reagiert. Wollte dann plötzlich wieder mehr Mann sein, damit sie ihren Schwanz wieder mehr spürt, der für sie Transporteur ihrer Libido ist und weil sie irrtümlicher Weise dachte, dann würde sie mich beeindrucken/halten können (was natürlich Mist ist). Sie setzte also schrittweise fast die ganzen Hormone ab, und ich fand das richtig blöd, aber wollte ihr alle Freiheiten lassen, das zu sein, was sie will. Irrungen und Wirrungen, wenig Selbstverständlichkeit, die ich mir erhofft hatte.
    Es endete in einer OnOffkiste, die jetzt zuende gegangen ist. Und jetzt erst geht es für mich los. Ich bin traurig und verwirrt, konnte mich nicht dazu zwingen, mich aus ihren Sachen rauszuhalten und muss nachdenken. Ich weiß nicht mehr weiter und bin trotzdem glücklich über das was passiert ist, weil es ein Dammbruch für mich war und ich mich jetzt goldrichtig fühle, weil ich ahne, dass ich etwas sehr Seltenes liebe, was eben nicht einfach ist, weil es changiert aber mit entspricht. Ich weiß noch nicht, wie ich damit umgehen soll, dass für mich die Dinge im Grunde unkompliziert sind, aber mein Gegenüber durch den Eingriff mit Hormonen und all dem gesetzlichen Kategorisierungsmist in einem sehr angespannten Zustand lebt, der mir zu viel Energie raubt. Ich bin mir nicht sicher, ob das mit den Hormonen und der Geschlechtsumwandlung nicht ein totaler Irrweg ist, der gesundheitlich und mental schlimme Folgen haben kann. Es ist ja sowieso schon schwer genug, auf eine sanfte, sich selbst akzeptierende und ästhetische Weise zu altern, wenn man eine Frau ist, wie sollen Frauenmänner damit umgehen, die alles erdenkliche unternehmen um als Frau zu „passen“ und dann feststellen, dass ab Mitte 50 genau wie bei Frauen, ästhetisch schon irgendwie der „Arsch ab“ ist, um es salopp zu formulieren und aufgrund dessen in der optischen Begehrlichkeitsliste ziemlich weit unten zu rangieren.
    Also, das war´s erst mal. Vielleicht inspiriert dich mein Bericht, vielleicht auch nicht. Es hat mir gutgetan, das mal so aufzuschreiben, weil ich mir vorgestellt habe, dass du jemand bist, der das vielleicht am weitestgehenden versteht. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

    Mit besten Wünschen für ein freies Leben voller Liebe

    [Edit eines rassistischen Begriffs von Trans*liebchen]

  5. Name (required) Says:

    Das liest sich spannend, Marlene. Magst du nicht deinen eigenen Blog starten? Es wäre doch schade, wenn Beiträge wie dieser in dem Blog von jemand anderem untergehen, oder?

  6. trans*liebchen Says:

    Vielen Dank für den superausführlichen Kommentar, Marlene! Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, darauf zu antworten…

    Am meisten bleibt bei mir gerade die Problematik hängen, dass einige von uns Trans*liebchen in ihren Partner*innen oft genau das lieben und begehren, was für diese schmerzhaft und unerwünscht ist – nämlich das Trans*sein an sich, das Dazwischen, das Sowohl-als-auch, das Weder-noch.

    Das lässt sich glaube ich auch nicht so einfach auflösen. Denn wenn die einen möglichst schnell eine Eindeutigkeit im geschlechtlichen Sein und Wahrgenommenwerden anstreben und raus aus der für sie so anstrengenden Übergangsphase wollen, und die anderen am liebsten eben diese geschlechtliche Übergangsphase als Dauerzustand hätten (minus den Leidensdruck natürlich), dann bewegen sich die Wünsche nun mal nicht in die gleiche Richtung. Ob auf so einer Basis trotzdem eine beiden wohltuende längerfristige Liebesbeziehung möglich ist, zweifle ich daher eher an. (Nicht, dass Liebesbeziehungen unbedingt immer langfristig sein müssten, um wohltuend zu sein. Aber wenn man sich erstmal unbefristet zusammentut, stolpert man dann halt irgendwann über diesen Unterschied der Wünsche…)

  7. Marlene Kuhlmann Says:

    Hi Transliebchen, du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Allerdings frage ich mich durch deine brillante Analyse bedingt, wie weit ich eigentlich bei meinem Gegenüber zulassen kann, dass genau dieser liebenswerte Zwischenzustand, sich vielleicht dann wieder sehr schnell oder sehr extrem ändern kann und ob mich das nicht irgendwann überfordert (höchstwahrscheinlich). Toleranz für Veränderungen scheint mir eine Art Gummiband zu sein, das dehnbar ist, aber vielleicht nur begrenzt. Gespiegelt betrachtet, frage ich mich natürlich schon, wie „anstrengend“ ich in diesem Changieren eigentlich für andere, aber auch für potentielle Partnerinnen bin. Ich denke schon, dass ich manchmal sehr anstrengend bin oder auch Unsicherheit auslöse. Meine Konstante ist aber immerhin, dass ich meinen Körper nicht mit hormonellen oder chirurgischen Eingriffen verändern will, ihn so wie er ist und die Art wie er fühlt und wahrnimmt, mag und es hoffentlich schaffen werde, „in Würde zu altern“. Zwar ändere ich meinen Look sehr häufig, weil mir das Spass macht, aber meine Haarlänge ist immer die Gleiche. Bei aller Lust auf Veränderungen, möchte ich sehr gern verlässlich sein, ohne zu bemuttern. Das bilde ich mir ein, einiger Maßen in meinem Mutterdasein praktiziert zu haben bei natürlich auch vielen Fehlern, die ich im Stress mit meinen Mädels sicher gemacht habe.
    Ich biete wohl doch so einige menschliche, aber auch materielle Sicherheiten in dem „Zwischendasein“, was ich führe. Das lässt mich hoffen, denn Kurzbeziehungen sind eigentlich nicht das, wonach ich mich unbedingt sehne.
    Wie und wo wünscht du dir eigentlich ein gemeinsames Leben in „diesen diffusen Zeitpunkt ‘danach’ “ mit deinem Partner, wenn man das fragen darf. Lebst du auf eine Idee von Zukunft hin?
    So long erstmal. Danke für die Ver-Bindung!

    PS
    Zum Thema Blogstarten:
    Ich fühle mich hier zunächst mal überraschend gut aufgehoben. Aber wer weiss? Vielleicht.

  8. trans*liebchen Says:

    Ich hab aus deiner Frage mal ’nen neuen Blogeintrag gemacht: https://transliebchen.wordpress.com/2011/06/19/eine-zukunftsfrage-und-eine-geschlechtstheorie/
    Danke für die Inspiration! :)

  9. Roman Says:

    Hallo Marlene,
    bitte nicht bös sein, aber es heisst Geschlechtsangleichung, weil es ist keine Umwandlung, man wird dem gefühlten Geschlecht angeglichen.

    Hallo Transliebchen,

    was du erzählst ich für mich, wieder eine ganz andere Welt, ich könnte nicht ohne Testo leben, für mich war das der 1. wichtige Punkt, endlich die richtigen Hormone.
    Die Operationen nachher gaben dann die Linderung des ganzen Elends. Jetzt mit Peniodaufbau bin ich der glücklichste Mensch auf Erden. Den Weg von Chris, kein Testo nur Op wäre und ist für mich unvorstellbar.

    Gruss Ramon

  10. trans*liebchen Says:

    @ Ramon: Dein Kommentar bestätigt meinen Eindruck, dass nicht alle Trans*menschen die gleichen Elemente des „offiziellen“ Trans*wegs brauchen und/oder wollen. Manche brauchen/wollen eigentlich nur die OP und werden praktisch von ihrer Krankenkasse gezwungen, außerdem auch Hormone zu nehmen oder eine Therapie zu machen (falls sie nicht reich genug sind, die OP privat zu finanzieren). Andere brauchen/wollen das „ganze Programm“ und müssen darum kämpfen, während des Prozesses gut betreut und begleitet zu werden. Deswegen finde ich, dass das Krankenkassen- und Rechtssystem endlich von der Idee wegkommen muss, dass eine Art der Behandlung für alle Trans*menschen die richtige ist. Mal ganz abgesehen davon, dass wahrscheinlich auch ziemlich viel Geld eingespart werden könnte, wenn den Leuten keine unnötigen und unerwünschten Behandlungen mehr aufgezwungen werden – was dann wieder anderen Menschen zugute kommen könnte…

  11. Ramon Says:

    OP und Testo finde ich absolut ok, aber dieses Psychogerenne ist völlig sinnlos, jede Woche über fast 1,5 Jahre da morgens hin zu rennen ist Schwachsinn, wenn man sich endlich gefunden hat, hat man sich das lange überlegt und soll nicht noch auf die lange Bank geschoben werden. Ich bezeichne mich jetzt auch nicht als Trans, ich bin ein Mann,
    Im Krankenhaus hab ich auch mitbekommen, das MTF Trans die Brüste nicht mehr bezahlt bekommen, was soll denn das jetzt?

  12. trans*liebchen Says:

    @ Ramon: Ich glaube schon, dass es für manche Trans*menschen hilfreich ist, im Zuge ihrer Transition eine Therapie machen zu können, die problemlos von der Krankenkasse finanziert wird. Und sei es nur, weil vielleicht nicht alle im Großstädten mit Trans*gruppen leben und/oder Trans*foren im Internet als guten Ort der Kommunikation über ihre Gefühlslagen und Unsicherheiten empfinden. Meine Kritik geht also nicht gegen die Therapie an sich, sondern gegen den Zwang dazu. Ich glaube nämlich, dass es fürs Trans*leben keine Pauschallösungen gibt, die für alle das richtige sind, so wie es das TSG und die Standards of Care sich vorstellen. Und genauso wie es Trans*menschen gibt, die sich (wie du) nicht als „Trans“ bezeichnen, gibt es eben auch welche, die sich trotz Hormonen, OPs und Vornamensänderung nicht als „Mann“ oder „Frau“ begreifen. Und das eine ist nicht „richtiger“ oder „echter“ als das andere.

    Durch eine sehr kurze Google-Recherche zur Krankenkassenfinanzierung von Brustvergrößerungs-OPs (also über die durch die Hormoneinnahme gewachsene Größe hinaus) bei Transfrauen habe ich eben gelernt, dass diese offenbar nur in Einzelfällen übernommen werden, da „da eine große Brust nicht als erforderlich angesehen wird um eine Frau zu sein“ (hier die nicht unbedingt superseriöse Quelle des Zitats). Ich muss gestehen, dass mir (als Nicht-Transfrau) diese Logik zumindest nicht völlig absurd erscheint… Es ist nun mal wirklich nicht transfrauenspezifisch, größere Brüste haben zu wollen (zum Vergleich: eine kurze Diskussion unter Cisfrauen zum Thema). Oder habe ich hier eine Wahrnehmungslücke und sehe nicht das spezifisch trans*feindliche dieser Argumentation?


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