Eine Zukunftsfrage und eine Geschlechtstheorie

In einem Kommentar wurde ich gefragt:

Wie und wo wünscht du dir eigentlich ein gemeinsames Leben in „diesen diffusen Zeitpunkt ‚danach‘ “ mit deinem Partner, wenn man das fragen darf. Lebst du auf eine Idee von Zukunft hin?

Fragen darf man mich eigentlich alles. Was ich beantworte (und wie) entscheide ich dann selbst. :)

Ich stelle mir Chris nach der Brust-OP immer noch als uneindeutig vor (was mit seinem Selbstverständnis übereinstimmt). Bloß halt anders als früher. Ungefähr so, wie ich jetzt auch anders Femme bin, als ich es vor einigen Jahren war. Zusammen sind wir immer noch queer und werden das auch bleiben.

Meine Theorie ist ja, dass viele Menschen an sich eine bestimmtes ‚Geschlechtsgleichgewicht‘ spüren, mit dem sie sich am wohlsten und stimmigsten fühlen. Wenn jetzt ein ‚Geschlechtsmerkmal‘ sich zu ‚maskuliner‘ ändert, dann ändert sich oft ein anderes zu ‚femininer‘ (und umgekehrt), damit das Gesamtgleichgewicht gewahrt bleibt.
Zwei Beispiele: Eine Femme-Freundin von mir hat sich z.B. mal ihre sehr langen Haare sehr abrupt sehr kurz schneiden lassen. Als ‚Ausgleich‘ hat sie dann plötzlich mehr Baumel-Ohrringe und anderen Glitzerschmuck getragen. Ein Transmann-Freund hat, nachdem er dank Hormonwirkung endlich fast überall als Mann gelesen wurde, angefangen, seine Drag-Queen-Seite zu entwickeln. Beiden war bewusst, dass sie damit eine solche ‚geschlechtliche Verschiebung‘ ausgleichen.
Nach dieser Theorie brauche ich mir tatsächlich keine Sorgen zu machen, dass Chris plötzlich nur noch ungebrochen Mann sein will. Ich habe zumindest nie von ihm gehört, dass er sich 100%ig männlich fühlt und den Wunsch hat, dass die Welt ihn auch so sieht. Daher vermute ich, je eindeutiger männlich Chris wahrgenommen wird, desto mehr wird er andere Punkte finden, wo er gegen stereotype Geschlechtsrollenerwartungen verstoßen kann (das macht er ja jetzt schon).

Wenn ich also über Zukunft nachdenke, dann denke ich eher, dass er für sich einen ‚Stand‘ erreicht hat, den er längerfristig lebbar findet. Ich hoffe sehr, dass dieser ‚Stand‘ in großen Teilen noch immer in mein ‚Beuteschema‘ passt. Und dann hoffe ich, dass wir uns beide wieder ein bisschen an ein ‚Sein‘ gewöhnen können, als in einer ständigen Zwischenzeit zu existieren, in der sich höchstens provisorisch eingerichtet werden kann. Und DANN habe ich bestimmt auch irgendwann wieder Lust auf die nächste Veränderung…

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Die Identitäten und ich

Aus gegebenem Anlass möchte ich heute etwas zu den verschiedenen Identitätslabeln sagen, die ich in diesem Leben schon für mich und mein Begehren (und Verwandtes) benutzt habe.

Der erste bewusst von mir in Anspruch genommene Begriff war „bisexuell„. Da war ich noch in der Schule. Ich hatte noch mit überhaupt niemandem geschlafen, ich hatte auch noch mit niemandem eine Liebesbeziehung gehabt, aber ich hatte schon mit Vergnügen einige Jungs geküsst und war auch in einige von ihnen verliebt gewesen (meist etwas weniger vergnügt, da eher einseitig). Außerdem hatte ich eine beste Freundin, mit der es etwa um diese Zeit erotisch zu knistern begann, und die dann das erste Mädchen wurde, dass ich küsste….

Ich war damals sehr überzeugt davon, dass alle Menschen mehr oder weniger bisexuell sind. Und da ich gern mit anderen Menschen über das rede, was mich beschäftigt, fing ich an, mit einigen Leuten aus der Schule „so ganz allgemein“ über diese Theorie zu diskutieren. Quasi ganz nebenbei begann ich, mich (wenn auch meist nur implizit) als bisexuell zu identifizieren.

Einige wenige, aber dafür sehr turbulente Jahre später fand ich mich dann in der Situation wieder, sehr plötzlich, unerwartet und intensiv eifersüchtig auf den Freund meiner neuen besten Freundin zu sein. Das war offensichtlich das letzte Puzzleteil, das ich brauchte, um endlich die Bezeichung „lesbisch“ als für mich passend zu empfinden. Mir wurde wirklich sehr schlagartig klar, dass ich nicht nur „auch“ auf Frauen stand, sondern „vor allem“ und „nahezu ausschließlich“.

Lesbisch war ich dann ziemlich lange und sehr offensiv. Ich kriegte schnell Kontakt zur örtlichen FrauenLesben-Szene, tummelte mich quer durch eine Vielzahl an feministischen kulturellen und politischen Projekten, verbannte Männer eine Zeitlang fast vollständig aus meinem Leben und war höchstens mal zufällig (noch) nicht out als Lesbe. Die Lesbenszene war mein Zuhause, dort waren alle meine Freundinnen, alle guten Partys und überhaupt mein kultureller, sozialer und politischer Lebensmittelpunkt.

Die Identität „lesbisch“ hielt auch, als ich den Schritt zur Identifikation mit dem Begriff  „(butchliebende) Femme“ machte. Allerdings begann damit auch die Zeit, wo ich (vor allem von manchen Lesben und Schwulen) nicht mehr so ohne weiteres als „Lesbe“ akzeptiert wurde. Ich bestand aber vehement darauf, dass „lesbische Femme“ eine lebbare Identität sei und dass sowohl mir, als auch die Butches, die ich liebte und begehrte, ein Platz in der Lesbenwelt zustünde (schon allein aus historischen Gründen…).

Wieder einige Jahre später konnte ich dann nicht mehr an der Tatsache vorbeigucken, dass einige Butches, die ich liebte und begehrte, nicht mehr so ganz eindeutig als „Frauen“ bezeichnet werden konnten und wollten. Außerdem musste ich im Rahmen zweier kurzer Affäre mit einem Cismann und einer anderen Femme feststellen, dass mein Begehren offenbar deutlich flexibler war, als ich gedacht hatte. Diese beiden Aspekte bewogen mich dann dazu, mich langsam von der Selbstbezeichnung „lesbisch“ zu verabschieden und mich immer häufiger als „queere Femme“ zu bezeichnen.

Dazu kam, dass ich auf Grund meines immer feminineren Aussehens und/oder der Objekte meines Begehrens immer weniger in lesbischen Zusammenhängen akzeptiert wurde, und so schlussendlich nicht mehr viel von dem Zugehörigkeitsgefühl dort übrigblieb. Spätestens, als ich dann das erste Mal mit einer Transgender Butch zusammen war, die ich ausschließlich mit männlichem Vornamen und Pronomen kannte, hatte sich das Thema mit dem gemeinsamen Raum auf Frauenpartys dann auch erledigt. Weder er noch ich fühlten uns dort noch erkannt, wohl oder willkommen.

Die einzigen Orte, die Platz für unsere beiden Identitäten und unser Miteinander zu haben schienen, waren vereinzelte Veranstaltungen aus explizit queeren Kontexten. Nicht, dass es dort keine Missverständnisse, Fehlwahrnehmungen oder Konflikte wegen seiner, meiner oder unserer Identität gegeben hätte. Aber es war besser als nichts, und manchmal war es auch ganz schön toll.

Und jetzt bin ich seit einigen Jahren mit einer anderen Transgender Butch zusammen, die inzwischen in weiten Teilen des Alltags als (Trans-)Mann lebt. Das fügt den halb-ironischen Begriff „Trans*liebchen“ der „queeren Femme“ hinzu. (Transgender) Butches sind immer noch die Sorte Mensch, die ich am wahrscheinlichsten erotisch attraktiv finde, und die ich in meinem erotischen Leben auf keinen Fall missen möchte. Aber manchmal finde ich immer noch auch Menschen anderer Geschlechtskategorien lecker für die Augen (und manchmal auch geeignet für die eine oder andere anregende Phantasie und vielleicht auch irgendwann wieder für die eine oder andere anregende Praxis).

Manchmal überlege ich, ob ich quasi den Kreis vollendet habe, und wieder da bin, wo ich mal angefangen habe. Aber „bisexuell“ beinhaltet für mich einerseits die Idee von nur zwei Geschlechtern (die meiner Erfahrung nach schlichtweg falsch ist) und andererseits die Assoziation von einer gleichmäßigen Verteilung der Anziehung auf maskuline/männliche und feminine/weibliche Wesen (die ich so nicht erlebe).

Also bleibe ich bei „queer“, denn für diese Geschichte, diese Gegenwart und diese (vermutete) Zukunft fällt mir wirklich kein treffenderer Begriff ein. Und manchmal habe ich in letzter Zeit so Tage, da probiere ich, wie es ist, ganz ohne all diese Identitätslabel über mein Begehren, meine Lieben und meine sozial-politisch-kulturellen Bezüge zu sprechen…

Testo und ich (was bisher geschah)

Schon vor über 10 Jahren, als ich als frischidentifizierte Femme das erste Mal Stone Butch Blues (dt: Träume in den erwachenden Morgen) von Leslie Feinberg las, wuchs in mir die Vermutung, dass ich als Butch-liebende Femme mit großer Wahrscheinlichkeit früher oder später mit der Thematik von FTM-Transitionen zu tun kriegen würde. Dieser Verdacht verstärkte sich durch meine Beobachtung, dass jede einzelne Butch, mit der ich in meinen ersten Femmejahren näher zu tun bekam, zumindest eine Zeitlang intensiv darüber nachgedacht hatte, die eigenen Brüste loszuwerden. Die meisten hätten nach wie vor ohne jedes Zögern Ja zu einer schmerzlosen und kostenneutralen Brustentfernung gesagt (exklusive Nippel und deren erotische Kapazitäten, wohlgemerkt). Das hielt sie jedoch nicht davon ab, sich als Frauen und Lesben zu identifizieren.

Die „Theresa-Frage“

Ich stellte mir also schon sehr früh (und erstmal theoretisch) die „Theresa-Frage“*: Wenn ‚meine‘ Butch sich entscheiden würde, fortan als Mann leben zu wollen und entsprechende hormonelle und operative Maßnahmen vornehmen würde, wäre das für mich ein Trennungsgrund?

(*In Feinbergs Roman entscheidet sich die Butch-/Trans*-Hauptfigur Jess in den frühen 1970er Jahren dazu, aus Gründen des ökonomischen und psychischen Überlebens Testosteron zu nehmen und nach außen hin als Mann zu leben. Theresa ist ihre Femme-Partnerin, die sich von ihr trennt, weil sie feststellt, dass sie als feministische Lesbe nicht mit einem Menschen zusammenleben kann und will, den die Welt für einen Mann hält. Dieser Konflikt ist im Buch als für beide Seiten sehr emotional beschrieben. Dadurch, dass die Geschichte aus Jess‘ Perspektive geschrieben ist, bleibt aber bei allem Verständnis für Theresas Perspektive vor allem das Gefühl hängen, dass diese ‚ihre‘  Butch wegen eines egoistischen Beharrens auf einer lesbischen Identität hängen lässt.)

In den folgenden Jahren kam ich immer wieder auf diese Frage zurück, wobei sich nach und nach für mich herauskristallisierte, dass ich zwar durchaus offen für körperliche Veränderungen war/bin (wie ich herausfand, sind meine eigenen erotischen Reaktionsmuster da sehr flexibel), dass ich aber nicht bereit war/bin, meine eigene Queerness grundsätzlich und überwiegend zu verleugnen, um einem Trans*partner ein weitestgehend ungebrochenes Leben als Mann zu ermöglichen. Das ist immer noch so.

Der Ex und ich (eher konfliktreich)

Meine vorige Beziehung war ebenfalls mit einer Transgender Butch. Er hatte von Anfang an einen eindeutig männlichen Namen (damals noch nicht in seinem Ausweis), und ich habe über ihn immer mit männlichem Pronomen gesprochen. Das war die Zeit, in der mich ein langjähriger schwuler Freund fragte: „Bist du jetzt hetero?“ Das war auch die Zeit, als ich lernte, unsichtbar zu sein. Diese Unsichtbarkeit wurde verstärkt durch meine immer länger werdenden Haare (mit denen ich Zentimeter für Zentimeter aus dem ‚Lesbenschema‘ herauswuchs) und durch meine Entscheidung, mich weniger auffallend/’alternativ‘ zu kleiden. Beides wurde durch meinen Ex sehr bestärkt, denn meine visuelle feminine ‚Normalität‘ an seiner Seite erhöhte deutlich die Wahrscheinlichkeit, dass er als Mann gelesen wurde (und das war ihm sehr wichtig). In heterodominierten Umgebungen wie Supermärkten, Straßenbahnen und Shoppingmeilen kostete mich das Dasein in dieser visuellen ‚Normalität‘ plötzlich massiv weniger Energie als meine vorigen Verkörperungen als visuell ‚Andere. Das war meist sehr angenehm, auch wenn ich noch sehr lange nicht mit diesem Privileg rechnete (schließlich hatte ich es seit meiner Teenagerzeit nicht mehr gehabt). Eigentlich erwarte ich bis heute, dass man mir mein ‚inneres Anderssein‘ ansehen kann und bin regelmäßig irritiert, wenn ich merke, dass dem nicht so ist.

In Umgebungen, die als queer definiert waren, fiel ich dagegen mit dieser visuellen ‚Normalität‘ ziemlich auf. Es gab dort zwar hin und wieder feminine Signale, allerdings meist an Männern/alltagsmaskulinen Menschen. Femininität konnte dort außerdem als außergewöhnliches Spektakel existieren, sichtbar gemacht durch Exzesse von Glitter, Make-up und anderen trashigen Elementen. In Lesbenzusammenhängen tauchten zwar im Vergleich zu den frühen 1990ern ebenfalls vereinzelt längere Haare, rote Lippen, höhere Absätze oder gar Röcke auf – allerdings nicht alles zusammen an derselben Person und immer nur in begrenztem Ausmaß (d.h. die Haare waren nicht länger als schulterlang, die Absätze waren blockig und nicht zu hoch, und die Röcke wurden gern über Hosen getragen). Insgesamt führte die Kombination von seinem und meinem Genderausdruck dazu, dass wir entweder für ein Heteropaar gehalten wurden (was mich unglücklich machte und uns aus queeren Zusammenhängen ausschloss) oder für ein Lesbenpaar (was ihn unglücklich machte und aus der ersehnten Männlichkeit ausschloss). In Einzelfällen mag man uns auf lesbischwulen Partys auch für einen Schwulen plus Gabi (= heterosexuelle Feierbegleitung) gehalten haben. Sprich: eigentlich gab es nirgends einen Ort, wo wir beide in Übereinstimmung zu unserem Selbstverständnis gelesen wurden. Das war daher auch die Zeit, in der ich aufhörte, Spaß am Ausgehen zu haben, u.a. weil die ständigen Identitätskonflikte und -erklärungsnotwendigkeiten einfach nicht viel Partystimmung aufkommen lassen wollten.

Mein Ex hatte mir während unserer Beziehung immer wieder versichert, dass er eine Butch sei und kein Mann. Er identifizierte sich stark mit Leslie Feinberg bzw. der Figur Jess aus Stone Butch Blues und träumte (mit mir) von einer zeitgenössischen Butch/Femme-Kultur basierend auf einer romantisierten Lesart von Feinbergs Beschreibungen. Er grenzte sich massiv von Drag Kings (weil die ihre Maskulinität/Männlichkeit schließlich nur spielten und trotzdem dafür weit mehr soziale Anerkennung bekamen als er) und Transmännern (weil diese das leidvolle Dasein als Butch hinter sich ließen und in die männliche ‚Normalität‘ abwanderten) ab und beteuerte, er wolle niemals Testosteron nehmen. Was mir sehr entgegenkam, denn ich wollte ja auch mit einer Butch zusammensein und nicht mit einem Mann.

Entsprechend schockiert und vor den Kopf gestoßen war ich, als er mir am Ende unserer Beziehung eröffnete, dass er beim Endokrinologen gewesen sei, um sich Testosteron verschreiben zu lassen. Dabei hat mich weniger die Entscheidung als solche so umgehauen, sondern vor allem die Tatsache, dass er vorher nie mit mir darüber geredet hatte, dass er sich über Hormone Gedanken macht. Zumal ich wusste, dass die meisten Endokrinologen nicht einfach so Testosteron verschreiben als wären es Kopfschmerztabletten, sondern dass sie in der Regel mindestens ein psychologisches Gutachten verlangen, in dem die Transsexualität der betreffenden Person diagnostiziert wird. Heißt, mein Ex muss bereits weit vorher angefangen haben, diesen Weg zu beschreiten, ohne mich als seine Partnerin auch nur mit einer Silbe in den Prozess einzubeziehen, der mich schließlich direkt betraf. Aber unsere Beziehung war damals ohnehin schon durch mehrere Vertrauensbrüche seinerseits erschüttert, so dass diese Mitteilung nur der letzte Tropfen war, der das Fass der angehenden Trennung dann zum Überlaufen brachte.

Diese emotional wirklich (excuse my French) beschissene Erfahrung machte es mir natürlich nicht eben einfacher, eine entspannte Haltung gegenüber den Menschen einzunehmen, die sich für Testosteron oder andere ‚offizielle‘ trans*verwandte Dinge (wie rechtliche Vornamensänderungen, verschiedene Operationen, oder Personenstandsänderungen) entschieden.

Testo im Freundeskreis

In den Folgejahren begannen verschiedene andere Leute aus meinem Bekannten- und Freundeskreis ebenfalls Testo zu nehmen. Mein Gefühl, dass Tesio dasjenige der oben genannten Dinge ist, das am meisten dazu beiträgt, (visuelle) geschlechtliche „Normalität“ herzustellen, hat sich dadurch allerdings eher bestätigt. Ich merke das vor allem an meiner persönlichen Begehrenskurve. Dazu muss man wissen, dass ich maskuline Gesichtszüge an Menschen mit weiblich zugewiesenem Körper wahnsinnig attraktiv finde, und dass Gesichter für mich der Körperteil sind, an dem ich Geschlecht am meisten festmache (das ist nicht immer gut, aber trotzdem wahr). Ich liebe es, wenn ein Gesicht in ein und demselben Gespräch zwischen ‚männlich‘ und ‚weiblich‘ changieren kann, am liebsten mit vielen Zwischentönen. Zurück also zu meinen Freunden und Bekannten. Diejenigen, die ich prä-Testo attraktiv fand, wurden durch die Testo-Benutzung zuerst noch ein bisschen attraktiver für mich, und ‚kippten‘ dann visuell irgendwann in einen Bereich, der außerhalb meines ‚Beuteschemas‘ liegt. Natürlich sind sie alle nach wie vor wunderbare Menschen, mit denen ich ausgesprochen gern befreundet bin. Aber die visuelle Anziehung ist erstmal weg.

In Freundschaften sind solche visuellen Veränderungen allerdings ein absolutes Randthema, denn da stehen für mich andere verbindende Dinge im Vordergrund. In einer Beziehung (und damit kommen wir zum Hier und Heute) ist die visuelle Attraktivität für mich jedoch ziemlich wichtig. Und wenn ich schon Begehrenskrisen kriegen kann, wenn mein Liebster eine Frisur hat, die ich total abtörnend finde, egal, wie sehr sie ihm selbst gefällt, dann kann ich mich zwar für meine ‚Oberflächlichkeit‘ schelten und schämen, aber das ändert meine  optischen Präferenzen trotzdem nicht. Vergleichbares gilt übrigens für Körpergeruch. Auch da habe ich bei Testonutzern in meinem Umfeld meist eine Phase erlebt, in denen ich ihren Geruch als unangenehm empfunden habe. Es mag sein, dass das vor allem durch die hormonelle Umstellung als solche bedingt war (denn körperlich ist es nun mal eine Art Pubertät), denn nach einiger Zeit hat sich das auch wieder verringert. Ich würde aber trotzdem sagen, dass Testonutzer anders riechen.

Kurz: Ich habe Bedenken…

Und genau deshalb macht mir die Entscheidung ‚meiner‘ Transgender Butch, jetzt Testo zu benutzen, solche Angst. Natürlich basiert unsere Partnerschaft nicht allein darauf, dass ich sein Gesicht und seinen Geruch ausgesprochen lecker finde. Trotzdem: Was ist, wenn er mir plötzlich nicht mehr gefällt und das nicht durch einen Haarschnitt zu ändern ist? Was, wenn ich ihn eines Tages buchstäblich nicht mehr riechen mag?

Ich hoffe ja momentan auf sanfte Veränderungen, die mich vielleicht gar nicht so sehr stören wie erwartet, weil ich sie (anders als bei meinen Freunden und Bekannten) von Tag zu Tag miterlebe. Und ansonsten werden wir uns mit einem eventuellen Problem dann befassen, wenn/falls es tatsächlich eintritt. Vielleicht finde ich die Veränderungen ja auch super, weil ich den Rest des Menschen so super finde!