Fehlannahmen

Ich bin überrascht. Ich war so sicher, dass Testo ‚alles‘ ändern würde, und trans* jetzt plötzlich ein tägliches Thema bei mir und meiner Butch werden würde. Ich war so sicher, dass es in etwa einmal pro Woche interessante neue Beobachtungen oder Erlebnisse zum Thema Trans* (im allgemeinen oder im persönlich-besonderen) zu posten gäbe.

Und nun stelle ich fest, dass ich damit sowas von daneben lag.

Ja, es sind ihm ein paar mehr Haare gewachsen bzw. dunkler/dicker geworden. Ja, seine Stimme ist etwas voller geworden. Ja, das leidige PMS scheint sich überwiegend erledigt zu haben.

Aber sonst hat sich nicht viel geändert. Trans* ist weiterhin eins von vielen Themen, die uns beschäftigen, steht aber bei weitem nicht so dauerhaft im Vordergrund, wie ich angenommen hatte. Ich habe überraschenderweise gar nicht so viel zu meinem Dasein als Trans*liebchen zu sagen, wie ich ursprünglich dachte.

Im Gegenteil. Ich stelle fest, dass mich geschlechtliche Kategorien allgemein gerade eher nerven und anstrengen, als dass sie mich erfreuen oder mir anderswie nützen. Nach so vielen passionierten Jahren als Femme und Geschlechter-Erforscherin trifft mich das sehr unerwartet. Das heißt nicht, dass ich mich inzwischen kuschelig-heimelig in der Heteronormativität eingerichtet hätte oder dass mich Sexismus, Trans*phobie, Femininitätsfeindlichkeit oder andere Unterdrückungsverhältnisse jetzt plötzlich nicht mehr stören würden. Es heißt nicht, dass ich mich und meine Lieben mehr als vorher in zweigeschlechtlichen Denksystemen wiederfinden würde oder dass ich mich nicht mehr darüber freue, dass trans* sich für eine Personenstandsänderung jetzt nicht mehr zwangsoperieren lassen muss.

Ich stelle aber fest, dass ich das Thema Geschlecht in all seinen Schattierungen nicht mehr so aufregend (im positiven wie im negativen Sinne) finde wie früher. Ich merke außerdem, dass mir eine starke Konzentration auf die Kategorie Geschlecht zunehmend im Weg steht, wenn es um die Interaktion mit anderen Menschen geht. Ich stelle fest, dass es oftmals überhaupt nicht notwendig ist, dass jemand meine Femmeness oder mein Trans*liebchen-Sein ernsthaft versteht, solange eine grundsätzlich respektvolle Basis im Umgang miteinander gegeben ist. Und ich muss sagen, es freut mich, festzustellen, wie oft Gender extrem unwichtig sein kann.

Mag sein, dass dieses Empfinden nur möglich ist, weil ich das Privileg habe, nicht ständig auf den ersten Blick als ‚geschlechtlich normabweichend‘ wahrgenommen zu werden. Okay. Ich finde es trotzdem gerade eine sinnvolle (und interessante) Strategie für mich, die Kategorie Geschlecht einfach mal weitestgehend auszublenden und zu gucken, wie sich die Interaktion mit anderen Menschen dadurch ändert. („Weitestgehend“ heißt selbstverständlich nicht „vollständig“, so dass ich je nach Situation gern auch auf bewährte Strategien der ‚Geschlechterthematisierung‘ zurückgreife.) Möglicherweise ist das das, was Kate Bornstein (in ihrem großartigen Buch My Gender Workbook. How to Become a Real Man, a Real Woman, or Something Else Entirely) mal als „no gender“ oder „I look where gender is and then I go elsewhere“ beschrieben hat…*

Nach all diesen Überlegungen frage ich mich jetzt natürlich, was das für diesen Blog bedeutet. Ich nehme an, ich werde weiterhin ab und zu noch Beobachtungen, Überlegungen oder Erlebnisse aus meinem Trans*liebchen-Leben posten. Aber den Plan, das ungefähr einmal die Woche zu tun, gebe ich hiermit offiziell auf.

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Neues Outfit

Trans*liebchen ist kaum zwei Monate alt und hat schon ein neues Outfit.  Wer in den vergangenen Stunden hierher geklickt hat, hat hoffentlich während der ausführlichen und zuweilen recht gewagten Anproben keinen dauerhaften ästhetischen Schaden genommen! (Und wehe, es sagt jetzt jemand „typisch Femme“…)

Nicht, dass ich das vorherige Design nicht schön gefunden hätte. Nicht, dass mir für heute Abend nicht auch andere Beschäftigungen eingefallen wären. Aber mir wurde kürzlich von einer Leserin geschrieben, dass die hellgraue Schrift auf weißem Hintergrund nicht für alle Interessierten leicht zu lesen ist. Wieder was gelernt – ich hatte mir nämlich bisher beim Thema Barrierefreiheit höchstens über Schriftgrößen und die Vor- und Nachteile von Serifenschriften Gedanken gemacht.

Wenn sich jemand also die Mühe macht, meine Wissenslücken zu füllen, soll das nicht ohne Konsequenzen bleiben. Außerdem kann es ja nur in meinem Interesse sein, das Lesen von Trans*liebchen so angenehm wie möglich zu gestalten.

Weil man bei dem ursprünglichen Design leider nicht einfach nur die Schriftfarbe ändern konnte, musste ich mich nach etwas ganz Neuem umsehen. Was gar nicht so einfach zu finden war. Graue Schrift scheint nämlich bei den aktuellen WordPress-Designs schwer angesagt zu sein. Und wenn die Schrift ausnahmsweise mal nicht grau war, hatte sie garantiert Serifen, die am Bildschirm ebenfalls schwerer zu lesen sind. Ganz zu schweigen von Layouts, bei denen man fünfmal sehr genau gucken muss, bis man die Kommentarfunktion gefunden hat (hier: jetzt immer ganz am Ende der Artikel), oder bei denen erwünschte Informationen (Datum, Tags, Kategorien, Kommentare, etc.) einfach gar nicht erst angezeigt werden. Von ästhetischen Erwägungen will ich gar nicht erst anfangen.

Aber meine Femme-Ehre gebot es natürlich, etwas zu finden, was gleichzeitig erfreulich anzusehen und praktisch in der Handhabung ist. Ich hoffe, ich bin nicht die Einzige, die findet, dass mir das mit diesem Design (das in Bezug auf Farben und Widgets [das sind die einzelnen Bestandteile der Seitenleisten] wirklich bemerkenswert wandlungsfähig ist) halbwegs gut gelungen ist.

Zum Schluss sei noch gesagt, dass ich mich auch in Zukunft über Hinweise zur Lesbarkeit und Handhabbarkeit dieses Blogs freue. Denn was mir logisch, intuitiv und übersichtlich erscheint, kann ja von anderen Menschen durchaus anders wahrgenommen werden. Natürlich werde ich hier jetzt nicht alle zwei Monate komplett renovieren, aber ich verspreche, ich werde alle Rückmeldungen und Anregungen sorgfältig bedenken.