Aha! Oh. Hmmm…

Eben gerade wurde mir endlich und schlagartig klar, warum ich es immer noch so verdammt schwierig finde, mich in meinem Arbeitsalltag zu meinem Dasein als Trans*liebchen zu bekennen. Es geht dabei überhaupt nicht um mich und eventuelle negative Konsequenzen, die ein solches Coming-Out für mich haben könnte. (Okay, vielleicht nicht „überhaupt nicht“, aber definitiv nicht vorrangig.)

Es geht dabei die ganze Zeit um die Frage: „Was kann ich wem über Chris (und unser gemeinsames Leben) erzählen, ohne dass es hinterher irgendwie, irgendwann negative Konsequenzen für ihn hat?“ Ich habe immer diese Vorstellung von einem zukünftigen Firmenevent, zu dem ich ihn als Begleitung mitnehmen würde, und bei dem ihn dann jemand aus meinem Kolleg*innen kreis schlecht behandelt, weil bekannt ist, dass er trans* ist. Nicht, dass meine Firma überhaupt solche „Mit-Begleitung-Events“ veranstalten würde… Alternativ könnte es natürlich vorkommen, dass wir plötzlich meinen Chef im Baumarkt oder auf einem Stadtfest treffen – und er würde dann irgendwie blöd zu Chris sein. Nicht, dass mein Chef und ich uns schon jemals irgendwo getroffen hätten… Natürlich ist es völlig irrational, mir über solche rein-theoretisch-möglichen Vorkommnisse so viele Gedanken zu machen. Aber die Sorge bleibt, dass ich es am Ende bitter bereuen würde, Chris dieser Situation ausgesetzt zu haben, indem ich den falschen Leuten zu viel über ihn und uns erzählt habe.

Das war definitiv anders, als ich mich noch als mehr oder weniger lesbisch identifiziert habe. Da ich immer nur mit Frauen zusammen war, die ebenso offen als Lesben lebten wie ich, war ein indirektes Outing durch meine Erzählungen über meine Partnerinnen nie ein Problem. [Abgesehen davon, dass ein Coming-Out als Lesbe sich nach wie vor beiläufig in einem Nebensatz abhandeln lässt, was ich von einem Coming-Out als Trans*liebchen nicht gerade behaupten kann (zumal ich nach wie vor nicht davon überzeugt bin, dass „Trans*liebchen“ überhaupt eine Identität ist, zu der ich ein Coming-Out haben könnte, sollte oder wollte, das mit einem öffentlichen Bekenntnis zum Lesbischsein vergleichbar wäre).]

Wenn ich gesagt habe, ich sei lesbisch oder ich hätte eine Freundin und keinen Freund, dann ging es dabei immer nur um mich, nicht um sie. Schlimmstenfalls wurde mein Frauengeschmack angezweifelt, wenn es denn mal zu einer Begegnung zwischen meiner Liebsten und irgendwelchen anderen Leuten kam. Aber ich habe mir nie auch nur eine Sekunde Sorgen gemacht, dass mein Coming-Out als Lesbe negative Konsequenzen für meine Freundin haben könnte.

Als Trans*liebchen bin ich inzwischen aber an dem Punkt, wo ich mir sogar schon überlege, was ich überhaupt zu meinem Begehren sage. Würde es negativ auf Chris zurückfallen, wenn ich meinem Chef erzählen würde, dass ich Rachel Maddox (in ihrem Privatoutfit) durchaus appetitlich finde? Was hätte es für Auswirkungen auf Chris, wenn ich bekanntgäbe, ich sei zuvor immer nur mit Frauen zusammen gewesen? Es ist nicht (mehr) so einfach, mein Begehren von seinem „öffentlichen“ Geschlecht zu trennen, wenn es um die Öffentlichmachung des einen oder des anderen geht.

Und warum denke ich eigentlich, ich müsste (oder könnte) Chris in diesem Punkt vor allem transphoben und „tunten“feindlichen Übel der Welt beschützen? Soweit ich weiß, hat er nach wie vor ein extrem entspanntes Verhältnis zu den meisten Erwartungen, die die Welt mittlerweile an seine Männlichkeit stellt. Will sagen, er tut das, was seiner Persönlichkeit entspricht (und die ist in vielen Punkten glücklicherweise nicht stereotyp „männlich-maskulin“) und kümmert sich ansonsten herzlich wenig um die Geschlechtsrollenerwartungen seiner Mitmenschen. Was soll ihm also Schreckliches passieren, wenn mein Chef oder meine Kolleg*innen ihn tatsächlich eines Tages treffen und feststellen, dass er gar kein „richtiger Mann“ ist? Das will er doch auch gar nicht sein!

Hmmm, mir scheint, ich muss mich öfter mal daran erinnern, dass Chris nicht mein Ex ist (für den es auch prä-Testo sehr wohl ein halber Weltuntergang war, wenn man ihn nicht für einen hundertprozentigen Kerl und Gentleman gehalten hat)… Und dass die Kurzformel vom „Transmann“, der Chris für einen großen Teil des Umfeldes ist, das nicht zum engeren Freundeskreis gehört, wirklich nur eine erklärungssparende und drastisch verkürzte Darstellung seiner komplexen geschlechtlichen Realität ist – und nicht sein Versuch, mir seinen geheimen Wunsch, nun doch ein „richtiger Mann“ zu sein, unterzujubeln.

Manchmal stelle ich mir echt selber ein Bein, beim Versuch, Chris in seiner „öffentlichen Männlichkeit“ zu unterstützen, ihm aber gleichzeitig nicht irgendein Männerklischee überzustülpen, bloß, weil er jetzt Testosteron nimmt. Möglicherweise ist das aber auch wieder nur ein altes Femme-Problem im neuen Gewand: die Schwierigkeit, die Maskulinität unserer Butch-Liebsten anzuerkennen, ohne sie deswegen gleich pauschal mit allem, was irgendwie „männlich“ ist, in eine Schublade zu stecken…

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Die Identitäten und ich

Aus gegebenem Anlass möchte ich heute etwas zu den verschiedenen Identitätslabeln sagen, die ich in diesem Leben schon für mich und mein Begehren (und Verwandtes) benutzt habe.

Der erste bewusst von mir in Anspruch genommene Begriff war „bisexuell„. Da war ich noch in der Schule. Ich hatte noch mit überhaupt niemandem geschlafen, ich hatte auch noch mit niemandem eine Liebesbeziehung gehabt, aber ich hatte schon mit Vergnügen einige Jungs geküsst und war auch in einige von ihnen verliebt gewesen (meist etwas weniger vergnügt, da eher einseitig). Außerdem hatte ich eine beste Freundin, mit der es etwa um diese Zeit erotisch zu knistern begann, und die dann das erste Mädchen wurde, dass ich küsste….

Ich war damals sehr überzeugt davon, dass alle Menschen mehr oder weniger bisexuell sind. Und da ich gern mit anderen Menschen über das rede, was mich beschäftigt, fing ich an, mit einigen Leuten aus der Schule „so ganz allgemein“ über diese Theorie zu diskutieren. Quasi ganz nebenbei begann ich, mich (wenn auch meist nur implizit) als bisexuell zu identifizieren.

Einige wenige, aber dafür sehr turbulente Jahre später fand ich mich dann in der Situation wieder, sehr plötzlich, unerwartet und intensiv eifersüchtig auf den Freund meiner neuen besten Freundin zu sein. Das war offensichtlich das letzte Puzzleteil, das ich brauchte, um endlich die Bezeichung „lesbisch“ als für mich passend zu empfinden. Mir wurde wirklich sehr schlagartig klar, dass ich nicht nur „auch“ auf Frauen stand, sondern „vor allem“ und „nahezu ausschließlich“.

Lesbisch war ich dann ziemlich lange und sehr offensiv. Ich kriegte schnell Kontakt zur örtlichen FrauenLesben-Szene, tummelte mich quer durch eine Vielzahl an feministischen kulturellen und politischen Projekten, verbannte Männer eine Zeitlang fast vollständig aus meinem Leben und war höchstens mal zufällig (noch) nicht out als Lesbe. Die Lesbenszene war mein Zuhause, dort waren alle meine Freundinnen, alle guten Partys und überhaupt mein kultureller, sozialer und politischer Lebensmittelpunkt.

Die Identität „lesbisch“ hielt auch, als ich den Schritt zur Identifikation mit dem Begriff  „(butchliebende) Femme“ machte. Allerdings begann damit auch die Zeit, wo ich (vor allem von manchen Lesben und Schwulen) nicht mehr so ohne weiteres als „Lesbe“ akzeptiert wurde. Ich bestand aber vehement darauf, dass „lesbische Femme“ eine lebbare Identität sei und dass sowohl mir, als auch die Butches, die ich liebte und begehrte, ein Platz in der Lesbenwelt zustünde (schon allein aus historischen Gründen…).

Wieder einige Jahre später konnte ich dann nicht mehr an der Tatsache vorbeigucken, dass einige Butches, die ich liebte und begehrte, nicht mehr so ganz eindeutig als „Frauen“ bezeichnet werden konnten und wollten. Außerdem musste ich im Rahmen zweier kurzer Affäre mit einem Cismann und einer anderen Femme feststellen, dass mein Begehren offenbar deutlich flexibler war, als ich gedacht hatte. Diese beiden Aspekte bewogen mich dann dazu, mich langsam von der Selbstbezeichnung „lesbisch“ zu verabschieden und mich immer häufiger als „queere Femme“ zu bezeichnen.

Dazu kam, dass ich auf Grund meines immer feminineren Aussehens und/oder der Objekte meines Begehrens immer weniger in lesbischen Zusammenhängen akzeptiert wurde, und so schlussendlich nicht mehr viel von dem Zugehörigkeitsgefühl dort übrigblieb. Spätestens, als ich dann das erste Mal mit einer Transgender Butch zusammen war, die ich ausschließlich mit männlichem Vornamen und Pronomen kannte, hatte sich das Thema mit dem gemeinsamen Raum auf Frauenpartys dann auch erledigt. Weder er noch ich fühlten uns dort noch erkannt, wohl oder willkommen.

Die einzigen Orte, die Platz für unsere beiden Identitäten und unser Miteinander zu haben schienen, waren vereinzelte Veranstaltungen aus explizit queeren Kontexten. Nicht, dass es dort keine Missverständnisse, Fehlwahrnehmungen oder Konflikte wegen seiner, meiner oder unserer Identität gegeben hätte. Aber es war besser als nichts, und manchmal war es auch ganz schön toll.

Und jetzt bin ich seit einigen Jahren mit einer anderen Transgender Butch zusammen, die inzwischen in weiten Teilen des Alltags als (Trans-)Mann lebt. Das fügt den halb-ironischen Begriff „Trans*liebchen“ der „queeren Femme“ hinzu. (Transgender) Butches sind immer noch die Sorte Mensch, die ich am wahrscheinlichsten erotisch attraktiv finde, und die ich in meinem erotischen Leben auf keinen Fall missen möchte. Aber manchmal finde ich immer noch auch Menschen anderer Geschlechtskategorien lecker für die Augen (und manchmal auch geeignet für die eine oder andere anregende Phantasie und vielleicht auch irgendwann wieder für die eine oder andere anregende Praxis).

Manchmal überlege ich, ob ich quasi den Kreis vollendet habe, und wieder da bin, wo ich mal angefangen habe. Aber „bisexuell“ beinhaltet für mich einerseits die Idee von nur zwei Geschlechtern (die meiner Erfahrung nach schlichtweg falsch ist) und andererseits die Assoziation von einer gleichmäßigen Verteilung der Anziehung auf maskuline/männliche und feminine/weibliche Wesen (die ich so nicht erlebe).

Also bleibe ich bei „queer“, denn für diese Geschichte, diese Gegenwart und diese (vermutete) Zukunft fällt mir wirklich kein treffenderer Begriff ein. Und manchmal habe ich in letzter Zeit so Tage, da probiere ich, wie es ist, ganz ohne all diese Identitätslabel über mein Begehren, meine Lieben und meine sozial-politisch-kulturellen Bezüge zu sprechen…

Erfolgreiche Bekenntnisse

Vor einer Weile hatte ich ja bereits ausführlich über potenzielle Coming-Out-Strategien für Trans*liebchen nachgedacht. Und kürzlich habe ich dann endlich mal wieder eine gebotene Gelegenheit ergriffen und mich erfolgreich vor einer neuen,  netten Kollegin geoutet.

Ursprünglich hatte sie mich bloß gefragt, ob ich eigentlich verheiratet sei. Nach kurzer Überlegung (Haben wir gerade Zeit für mehr als zwei kurze Sätze zum Thema? Wer ist sonst noch in Hörweite? Wie sehr vertraue ich darauf, dass sie nicht komplett blöd reagiert und mein Arbeitsalltag zukünftig massiv leidet?) entschloss ich mich dann, diese Frage gnadenlos als Anlass für „die lange Antwort“ zu meinem Beziehungsleben zu nehmen.

Ich begann also damit, dass ich nicht verheiratet sei, das auch nicht so wichtig fände, dass mein Liebster und ich aber zur Zeit auch gar nicht heiraten könnten, wenn wir denn wollten, weil er nicht den passenden Personenstand habe. Dann musste ich kurz ‚Personenstand‘ erklären (= in der Geburtsurkunde eingetragenes Geschlecht, relevant für Heirat/Verpartnerung und Wehr-/Zivildienst; im Unterschied zu ‚Familienstand‘ = z.B.  ’noch mit jemand anders verheiratet‘), und dann waren wir auch schon beim Thema Trans*.

Ich fürchte, ich habe am Ende dann doch mehr erzählt, als zwingend notwendig gewesen wäre, aber sie schien ernsthaft interessiert zu sein, und ich fand es offenbar so erleichternd, endlich mal wieder entspannt aus meinem Alltag berichten zu können (gespickt mit ein paar dezent-politischen Anmerkungen zu Verfassungswidrigkeiten und anderen Zwangsmaßnahmen), dass ich den Mund so schnell gar nicht wieder zu gekriegt habe.

Interessanterweise habe ich in dem ganzen langen Gespräch es geschafft, weder das Wort ‚queer‘ noch das Wort ‚lesbisch‘ für mich zu benutzen, sondern mein Beziehungsleben ganz ohne Identitätslabel zu beschreiben. In diesem Fall halte ich das für einen großartigen Erfolg, denn so kam uns keinerlei Vokabelproblem (‚queer‘) in die Quere, und ich musste mich auch nicht einer Identität zuordnen, die ich seit Jahren nicht mehr als meine empfinde (‚lesbisch‘). Und trotzdem weiß sie jetzt, dass ich früher mit Frauen zusammen war, und dass ich jetzt mit jemandem zusammen bin, der sich selber als weder Mann noch Frau identifiziert, aber sein ‚offizielles‘ Leben als Mann lebt.

Ganz nebenbei erfuhr ich dann, dass die nette Kollegin eine enge lesbische Freundin hat, womit sie bei mir ganz nebenbei weitere Vertrauenspunkte sammeln konnte.

Und auch Tage später ist nichts von einer seltsamen Distanzierung ihrerseits oder ähnlichem zu spüren. Eher im Gegenteil: wir sind quasi kurz vor der ersten privaten Kaffeeverabredung.

Ich glaube, ich mache das mit dem Coming-Out jetzt öfter. :)

Übrigens, wir sind nicht ganz normal…

Ich hatte ja in meinem vorigen Beitrag bereits angedeutet, dass ab jetzt definitiv auch die Holzhammermethode für meine persönlichen Coming-Outs in Frage kommt. Deshalb gibt es heute eine Liste mit potenziellen Outing-Anlässen und -Einleitungen, ausgehend von meiner eigenen Situation und meinen eigenen Outing-Bedürfnissen. Am liebsten ist es mir dabei immer, wenn meine eigene und unsere gemeinsame ‚Normabweichung‘ deutlich wird, ohne, dass ich seine Lebensgeschichte oder genaue Einzelheiten aus unserem Sexualleben erzählen muss. Daher legen manche Strategien den Schwerpunkt auch mehr auf meine Queerness als auf sein Trans*sein. Und natürlich erzähle ich anderen Leuten nichts, was er ihnen nicht auch in vergleichbarer Situation erzählen würde.

Mehrere dieser Strategien habe ich in der Vergangenheit auch in ähnlicher Form bereits erfolgreich angewandt. Je nach Reaktion des Gegenübers und dem eigenem Offenbarungsinteresse kann man danach natürlich auch munter weiterreden und noch mehr ins Detail gehen. Aber auch diese Kurzversionen stellen zumindest ein paar Grundsätzlichkeiten klar.

Sein neues Gesichtshaar:

„Also, so langsam muss mein Liebster echt mal Rasierunterricht nehmen, der wird schon ganz flauschig im Gesicht!“ — „Wieso Rasierunterricht? Wie alt ist dein Liebster denn, dass der sich nicht rasieren kann?!“ – „Naja, der hatte früher ja noch nie Gesichtshaar. Das wächst ja jetzt erst, seit er mit den Hormonen angefangen hat.“ — „Wieso Hormone?“ — „Na, er ist doch Transmann und hat vor Kurzem erst angefangen, Testosteron zu nehmen. Und dann kommt halt erst Flausch im Gesicht und dann Bart. Wie bei pubertierenden Jungs.“

Sein Gerichtstermin zur Vornamensänderung:

„Mein Schatz, der Arme, hat heute ’nen Gerichtstermin.“ — „Huch?“ (besorgt-neugieriger Blick) — „Ja, der hat heute endlich seinen Termin für die Vornamensänderung nach dem Transsexuellengesetz. Dann hat er seinen neuen Namen jetzt dann auch ganz offiziell im Ausweis stehen und muss sich nicht mehr mit ‚Frau Sowieso‘ anreden lassen. (Optional: Puh, das war dann aber auch echt eine schwere Geburt, mit der ganzen Rennerei! Antrag schreiben, dann hier ein Gutachten und da ein Gutachten, dann Prozesskostenhilfe beantragen und dazwischen immer warten, warten, warten, bis endlich mal wieder eins von den wichtigen Papieren im Briefkasten liegt…)“

Die eigene Ex-Freundin (Extra-Vorteil: Man muss den Trans*liebsten nicht zwingend gleich mit-outen):

„Ich hab ja immer mit meiner Ex-Freundin ‚Resident Evil‘ gespielt. Das heißt, wir saßen zusammen auf dem Sofa, sie hat geballert, und ich durfte die Rätsel lösen. Und wenn sie dann weiter Monster erschossen hat, hab ich gemütlich weiter mein Buch gelesen.“
(Funktioniert natürlich auch mit anderen Eigenschaften oder Unternehmungen, notfalls auch mit ausgedachten. Hauptsache, es klingt möglichst pärchenmäßig. Sonst wird die ‚Ex-Freundin‘ nämlich als ‚frühere Freundin‘ missverstanden und man erntet höchstens einen seltsamen Blick, weil man sich so schräg ausgedrückt hat.)

Das queere Filmfestival (oder sonstige queere Veranstaltungen):

„Ich freu mich ja so, nächste Woche ist wieder queeres Filmfestival! Das ist jedes Jahr mein Kino-Highlight.“ — „Was für ein Festival?“ — „Das ist ein Filmfestival mit lesbisch-schwul-bi-trans-und-so-weiter Filmen. Das gibt’s schon ganz lange jedes Jahr, und ich geh da immer sehr gerne hin.“ — „Aha. Und wieso?“ (hörbar mitgedacht: Du bist doch mit ’nem Mann zusammen und siehst ‚ganz normal‘ aus!) — „Naja, das ist halt meine Szene, quasi mein Zuhause, da, wo ich herkomme. Ich bin zwar jetzt mit einem Transmann zusammen, aber davor hatte ich lange Jahre Beziehungen mit Frauen.“

OP-Termine (ggf. auch im Rahmen des Themas ‚Urlaubsplanung in der Firma‘ anwendbar):

„Mein Liebster hat jetzt endlich einen OP-Termin gekriegt. Das wurde auch Zeit, der wartet jetzt schon so lange!“ — „OP? Oh je, was Schlimmes?“ — „Nein, im Gegenteil. Er ist doch Transmann und kriegt jetzt endlich seine langersehnte Brust-OP. Dann kann er im nächsten Sommer endlich mal ein enges T-Shirt anziehen und schwitzt sich nicht immer unter zig Schichten Stoff halb tot. (Optional: Ich bin also am [Soundsovielten] nicht bei der Arbeit, sondern mit ihm im Krankenhaus.)“

Überhaupt finde ich ja, dass der ganze leidige ‚offizielle Trans*prozess‘ zumindest eine Vielzahl von wunderbaren Aufhängern für ein Gespräch zum Thema „Übrigens, ich bin ein Trans*liebchen..“ bietet. Wenn man also eh dauernd auf irgendeine Genehmigung, einen Termin, oder ein Gutachten wartet, kann man die Wartezeit immerhin dazu nutzen, sich zu all diesen Dingen ein paar passende Coming-Out-Strategien zu überlegen. Wenn alles gut geht, kann man dann nämlich auch mal einem Kollegen oder der Chefin was vorjammern, wenn wieder wochenlang nichts passiert und der Liebste deshalb schon seit Wochen schlecht gelaunt ist… Und was das Transliebchen stärkt, kommt ja häufig auch dem Transmenschen selbst zu Gute. Und der Revolution sowieso.

Was habt ihr für Ideen zu Transliebchen-Outings? Wie sind eure Erfahrungen? Was klappt gut, was geht gar nicht, welche Strategie wolltet ihr schon immer mal ausprobieren? Oder, falls ihr zu denen gehört, die sich und ihren Liebsten nicht outen wollen: Wie geht es euch damit?

Transliebchen-Errungenschaften 2010

Heute lasse ich mich von The Daily Post inspirieren. Dort wurde gestern gefragt: „What is the single most important thing you accomplished in 2010?“
Was also ist meine wichtigste Errungenschaft aus dem vergangenen Jahr – bezogen auf mein Dasein als Transliebchen?

Ich würde sagen, es ist das Willkommensritual, das ich iniitiert, geschrieben und gesprochen habe, als Chris mit Testosteron angefangen hat.

Wie man meinen vorigen Postings entnehmen kann, bin ich allgemein eher skeptisch, was Chris‘ Entscheidung fürs Testo-Nehmen angeht. Für mich war nämlich genau das immer die zentrale Angst als Femme mit Hang zu transmaskulinen Butches: dass ‚meine‘ Butch eines Tages Hormone nehmen will und dann ‚alles irgendwie ganz schlimm‘ wird.

Da Chris sich nun aber für Testo entschieden hat, und da ich das keinen hinreichenden Grund finde, unbesehen die Beziehung zu beenden, hieß das also, dass ich irgendwie mit dem Testo und seinen Auswirkungen leben will. Und das wollte ich nicht nur zähneknirschend und widerwillig tun, denn dann hätte ich immer das Gefühl gehabt, ich nehme mir die Möglichkeit, die eine oder andere Testowirkung auch positiv zu finden (für ihn, für mich oder für uns).

Also wollte ich das Testo gebührend in unsere Beziehung und unseren Alltag aufnehmen. Und da ich ohnehin versuche, meinen Alltag (und erst recht wichtige Wendepunkte im Leben) spiritueller (das ist mein neutraler Begriff für alles, was mit Glaubensdingen zu tun hat – und ist in meinem Falle ausdrücklich nicht christlich gemeint) zu gestalten, lag es nahe, ein kleines ‚Willkommensritual‘ zu veranstalten.

Am Ende war es dann eher ein ‚Gebet‘ (ich stelle fest, ich arbeite bei diesem Thema extrem viel mit vorläufigen Hilfsbegriffen, die daher gehäuft in Anführungsstrichen stehen) als ein Ritual. Aber das hat dann auch gepasst. Und es hat vor allem funktioniert. Die Schachtel mit dem Testogel im Badezimmer hat mich danach nie wieder gestört.

Hier ist ein Auszug daraus, der gern von anderen aufgegriffen und für die eigenen Bedürfnisse passend umgeschrieben werden darf:

May this new beginning be blessed […]

May this next step be a step into the right direction for both of us.

[…]

May we always find a community to call our home. May we be supported by our families, the ones we were born into, and the ones we chose as friends.

May we both feel our emotions that are attached to this. May we accept them and express them, no matter if they are sadness, anger, or grief, or if they are joy, excitement, curiosity, or relief. May we understand each other’s emotions and feel understood and accepted by the other.

May our love for ourselves and for each other be strong, and may our relationship grow even better and stronger than it already is.

[…]

May this next step bring healing and peace to both of us.

May we both embrace the coming transformation of Chris‘ body, inside and out, and may he suffer no ill effects from the hormones.

May we embrace the transformation this next step may bring to our relationship and the ways we exist and are seen in this world.

[…]

May we know where to find our Ancestors in this, the people who have walked similar paths before us. May they share their wisdom with us, and may they support us in Spirit so that we never feel alone.

[…]

May we be safe and nourished wherever we go …

[…]

May we be protected day and night …

And above all, may we know joy.

So be it.

Und sonst? Ich habe diesen Blog begonnen, das ist auch eine Errungenschaft. Auch wenn ich bedaure, dass bisher noch kaum jemand auf diese Seite gefunden hat. Ich weiß nicht so recht, woran es liegt – wird auf deutsch vorrangig anderswo gebloggt? Sucht einfach niemand nach Transgender + Partnerschaft? Muss ich mehr kommentieren und meinen Link in anderen Blogs hinterlassen? Bin ich schlicht zu ungeduldig?

Außerdem habe ich den Entschluss gefasst, mich 2011 deutlich aufdringlicher zu outen. Wenigstens ein paar mehr von meinen Kolleg*innen und entfernteren Bekannten sollen nicht mehr die Möglichkeit haben, mich als ungebrochen hetera zu sehen. Als Anlass sei mir daher alles halbwegs an den Haaren herbeiziehbare recht (denn auf Gelegenheitem zum eleganten Einflechten warte  ich jetzt seit Monaten vergebens) – und wenn es der demnächst nötige Rasierunterricht für die Butch ist.

A propos: Neulich traf mich unerwartet die Erkenntnis, dass ich Chris‘ entzückendes Oberlippenhaar vermissen werde, wenn es zu dick/dunkel/lang zum Stehenlassen geworden ist. Und das wird leider bald der Fall sein. Seufz. (Aber vielleicht kriegt er ja statt dessen Bauchhaar – so einen kleinen pleasure trail finde ich nämlich sehr appetitlich! Er selbst leider nicht, aber ich nehme an, auf eine regelmäßige Bauchrasur hat er dann auch keine Lust…)