Aha! Oh. Hmmm…

Eben gerade wurde mir endlich und schlagartig klar, warum ich es immer noch so verdammt schwierig finde, mich in meinem Arbeitsalltag zu meinem Dasein als Trans*liebchen zu bekennen. Es geht dabei überhaupt nicht um mich und eventuelle negative Konsequenzen, die ein solches Coming-Out für mich haben könnte. (Okay, vielleicht nicht „überhaupt nicht“, aber definitiv nicht vorrangig.)

Es geht dabei die ganze Zeit um die Frage: „Was kann ich wem über Chris (und unser gemeinsames Leben) erzählen, ohne dass es hinterher irgendwie, irgendwann negative Konsequenzen für ihn hat?“ Ich habe immer diese Vorstellung von einem zukünftigen Firmenevent, zu dem ich ihn als Begleitung mitnehmen würde, und bei dem ihn dann jemand aus meinem Kolleg*innen kreis schlecht behandelt, weil bekannt ist, dass er trans* ist. Nicht, dass meine Firma überhaupt solche „Mit-Begleitung-Events“ veranstalten würde… Alternativ könnte es natürlich vorkommen, dass wir plötzlich meinen Chef im Baumarkt oder auf einem Stadtfest treffen – und er würde dann irgendwie blöd zu Chris sein. Nicht, dass mein Chef und ich uns schon jemals irgendwo getroffen hätten… Natürlich ist es völlig irrational, mir über solche rein-theoretisch-möglichen Vorkommnisse so viele Gedanken zu machen. Aber die Sorge bleibt, dass ich es am Ende bitter bereuen würde, Chris dieser Situation ausgesetzt zu haben, indem ich den falschen Leuten zu viel über ihn und uns erzählt habe.

Das war definitiv anders, als ich mich noch als mehr oder weniger lesbisch identifiziert habe. Da ich immer nur mit Frauen zusammen war, die ebenso offen als Lesben lebten wie ich, war ein indirektes Outing durch meine Erzählungen über meine Partnerinnen nie ein Problem. [Abgesehen davon, dass ein Coming-Out als Lesbe sich nach wie vor beiläufig in einem Nebensatz abhandeln lässt, was ich von einem Coming-Out als Trans*liebchen nicht gerade behaupten kann (zumal ich nach wie vor nicht davon überzeugt bin, dass „Trans*liebchen“ überhaupt eine Identität ist, zu der ich ein Coming-Out haben könnte, sollte oder wollte, das mit einem öffentlichen Bekenntnis zum Lesbischsein vergleichbar wäre).]

Wenn ich gesagt habe, ich sei lesbisch oder ich hätte eine Freundin und keinen Freund, dann ging es dabei immer nur um mich, nicht um sie. Schlimmstenfalls wurde mein Frauengeschmack angezweifelt, wenn es denn mal zu einer Begegnung zwischen meiner Liebsten und irgendwelchen anderen Leuten kam. Aber ich habe mir nie auch nur eine Sekunde Sorgen gemacht, dass mein Coming-Out als Lesbe negative Konsequenzen für meine Freundin haben könnte.

Als Trans*liebchen bin ich inzwischen aber an dem Punkt, wo ich mir sogar schon überlege, was ich überhaupt zu meinem Begehren sage. Würde es negativ auf Chris zurückfallen, wenn ich meinem Chef erzählen würde, dass ich Rachel Maddox (in ihrem Privatoutfit) durchaus appetitlich finde? Was hätte es für Auswirkungen auf Chris, wenn ich bekanntgäbe, ich sei zuvor immer nur mit Frauen zusammen gewesen? Es ist nicht (mehr) so einfach, mein Begehren von seinem „öffentlichen“ Geschlecht zu trennen, wenn es um die Öffentlichmachung des einen oder des anderen geht.

Und warum denke ich eigentlich, ich müsste (oder könnte) Chris in diesem Punkt vor allem transphoben und „tunten“feindlichen Übel der Welt beschützen? Soweit ich weiß, hat er nach wie vor ein extrem entspanntes Verhältnis zu den meisten Erwartungen, die die Welt mittlerweile an seine Männlichkeit stellt. Will sagen, er tut das, was seiner Persönlichkeit entspricht (und die ist in vielen Punkten glücklicherweise nicht stereotyp „männlich-maskulin“) und kümmert sich ansonsten herzlich wenig um die Geschlechtsrollenerwartungen seiner Mitmenschen. Was soll ihm also Schreckliches passieren, wenn mein Chef oder meine Kolleg*innen ihn tatsächlich eines Tages treffen und feststellen, dass er gar kein „richtiger Mann“ ist? Das will er doch auch gar nicht sein!

Hmmm, mir scheint, ich muss mich öfter mal daran erinnern, dass Chris nicht mein Ex ist (für den es auch prä-Testo sehr wohl ein halber Weltuntergang war, wenn man ihn nicht für einen hundertprozentigen Kerl und Gentleman gehalten hat)… Und dass die Kurzformel vom „Transmann“, der Chris für einen großen Teil des Umfeldes ist, das nicht zum engeren Freundeskreis gehört, wirklich nur eine erklärungssparende und drastisch verkürzte Darstellung seiner komplexen geschlechtlichen Realität ist – und nicht sein Versuch, mir seinen geheimen Wunsch, nun doch ein „richtiger Mann“ zu sein, unterzujubeln.

Manchmal stelle ich mir echt selber ein Bein, beim Versuch, Chris in seiner „öffentlichen Männlichkeit“ zu unterstützen, ihm aber gleichzeitig nicht irgendein Männerklischee überzustülpen, bloß, weil er jetzt Testosteron nimmt. Möglicherweise ist das aber auch wieder nur ein altes Femme-Problem im neuen Gewand: die Schwierigkeit, die Maskulinität unserer Butch-Liebsten anzuerkennen, ohne sie deswegen gleich pauschal mit allem, was irgendwie „männlich“ ist, in eine Schublade zu stecken…

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Erfolgreiche Bekenntnisse

Vor einer Weile hatte ich ja bereits ausführlich über potenzielle Coming-Out-Strategien für Trans*liebchen nachgedacht. Und kürzlich habe ich dann endlich mal wieder eine gebotene Gelegenheit ergriffen und mich erfolgreich vor einer neuen,  netten Kollegin geoutet.

Ursprünglich hatte sie mich bloß gefragt, ob ich eigentlich verheiratet sei. Nach kurzer Überlegung (Haben wir gerade Zeit für mehr als zwei kurze Sätze zum Thema? Wer ist sonst noch in Hörweite? Wie sehr vertraue ich darauf, dass sie nicht komplett blöd reagiert und mein Arbeitsalltag zukünftig massiv leidet?) entschloss ich mich dann, diese Frage gnadenlos als Anlass für „die lange Antwort“ zu meinem Beziehungsleben zu nehmen.

Ich begann also damit, dass ich nicht verheiratet sei, das auch nicht so wichtig fände, dass mein Liebster und ich aber zur Zeit auch gar nicht heiraten könnten, wenn wir denn wollten, weil er nicht den passenden Personenstand habe. Dann musste ich kurz ‚Personenstand‘ erklären (= in der Geburtsurkunde eingetragenes Geschlecht, relevant für Heirat/Verpartnerung und Wehr-/Zivildienst; im Unterschied zu ‚Familienstand‘ = z.B.  ’noch mit jemand anders verheiratet‘), und dann waren wir auch schon beim Thema Trans*.

Ich fürchte, ich habe am Ende dann doch mehr erzählt, als zwingend notwendig gewesen wäre, aber sie schien ernsthaft interessiert zu sein, und ich fand es offenbar so erleichternd, endlich mal wieder entspannt aus meinem Alltag berichten zu können (gespickt mit ein paar dezent-politischen Anmerkungen zu Verfassungswidrigkeiten und anderen Zwangsmaßnahmen), dass ich den Mund so schnell gar nicht wieder zu gekriegt habe.

Interessanterweise habe ich in dem ganzen langen Gespräch es geschafft, weder das Wort ‚queer‘ noch das Wort ‚lesbisch‘ für mich zu benutzen, sondern mein Beziehungsleben ganz ohne Identitätslabel zu beschreiben. In diesem Fall halte ich das für einen großartigen Erfolg, denn so kam uns keinerlei Vokabelproblem (‚queer‘) in die Quere, und ich musste mich auch nicht einer Identität zuordnen, die ich seit Jahren nicht mehr als meine empfinde (‚lesbisch‘). Und trotzdem weiß sie jetzt, dass ich früher mit Frauen zusammen war, und dass ich jetzt mit jemandem zusammen bin, der sich selber als weder Mann noch Frau identifiziert, aber sein ‚offizielles‘ Leben als Mann lebt.

Ganz nebenbei erfuhr ich dann, dass die nette Kollegin eine enge lesbische Freundin hat, womit sie bei mir ganz nebenbei weitere Vertrauenspunkte sammeln konnte.

Und auch Tage später ist nichts von einer seltsamen Distanzierung ihrerseits oder ähnlichem zu spüren. Eher im Gegenteil: wir sind quasi kurz vor der ersten privaten Kaffeeverabredung.

Ich glaube, ich mache das mit dem Coming-Out jetzt öfter. :)

Übrigens, wir sind nicht ganz normal…

Ich hatte ja in meinem vorigen Beitrag bereits angedeutet, dass ab jetzt definitiv auch die Holzhammermethode für meine persönlichen Coming-Outs in Frage kommt. Deshalb gibt es heute eine Liste mit potenziellen Outing-Anlässen und -Einleitungen, ausgehend von meiner eigenen Situation und meinen eigenen Outing-Bedürfnissen. Am liebsten ist es mir dabei immer, wenn meine eigene und unsere gemeinsame ‚Normabweichung‘ deutlich wird, ohne, dass ich seine Lebensgeschichte oder genaue Einzelheiten aus unserem Sexualleben erzählen muss. Daher legen manche Strategien den Schwerpunkt auch mehr auf meine Queerness als auf sein Trans*sein. Und natürlich erzähle ich anderen Leuten nichts, was er ihnen nicht auch in vergleichbarer Situation erzählen würde.

Mehrere dieser Strategien habe ich in der Vergangenheit auch in ähnlicher Form bereits erfolgreich angewandt. Je nach Reaktion des Gegenübers und dem eigenem Offenbarungsinteresse kann man danach natürlich auch munter weiterreden und noch mehr ins Detail gehen. Aber auch diese Kurzversionen stellen zumindest ein paar Grundsätzlichkeiten klar.

Sein neues Gesichtshaar:

„Also, so langsam muss mein Liebster echt mal Rasierunterricht nehmen, der wird schon ganz flauschig im Gesicht!“ — „Wieso Rasierunterricht? Wie alt ist dein Liebster denn, dass der sich nicht rasieren kann?!“ – „Naja, der hatte früher ja noch nie Gesichtshaar. Das wächst ja jetzt erst, seit er mit den Hormonen angefangen hat.“ — „Wieso Hormone?“ — „Na, er ist doch Transmann und hat vor Kurzem erst angefangen, Testosteron zu nehmen. Und dann kommt halt erst Flausch im Gesicht und dann Bart. Wie bei pubertierenden Jungs.“

Sein Gerichtstermin zur Vornamensänderung:

„Mein Schatz, der Arme, hat heute ’nen Gerichtstermin.“ — „Huch?“ (besorgt-neugieriger Blick) — „Ja, der hat heute endlich seinen Termin für die Vornamensänderung nach dem Transsexuellengesetz. Dann hat er seinen neuen Namen jetzt dann auch ganz offiziell im Ausweis stehen und muss sich nicht mehr mit ‚Frau Sowieso‘ anreden lassen. (Optional: Puh, das war dann aber auch echt eine schwere Geburt, mit der ganzen Rennerei! Antrag schreiben, dann hier ein Gutachten und da ein Gutachten, dann Prozesskostenhilfe beantragen und dazwischen immer warten, warten, warten, bis endlich mal wieder eins von den wichtigen Papieren im Briefkasten liegt…)“

Die eigene Ex-Freundin (Extra-Vorteil: Man muss den Trans*liebsten nicht zwingend gleich mit-outen):

„Ich hab ja immer mit meiner Ex-Freundin ‚Resident Evil‘ gespielt. Das heißt, wir saßen zusammen auf dem Sofa, sie hat geballert, und ich durfte die Rätsel lösen. Und wenn sie dann weiter Monster erschossen hat, hab ich gemütlich weiter mein Buch gelesen.“
(Funktioniert natürlich auch mit anderen Eigenschaften oder Unternehmungen, notfalls auch mit ausgedachten. Hauptsache, es klingt möglichst pärchenmäßig. Sonst wird die ‚Ex-Freundin‘ nämlich als ‚frühere Freundin‘ missverstanden und man erntet höchstens einen seltsamen Blick, weil man sich so schräg ausgedrückt hat.)

Das queere Filmfestival (oder sonstige queere Veranstaltungen):

„Ich freu mich ja so, nächste Woche ist wieder queeres Filmfestival! Das ist jedes Jahr mein Kino-Highlight.“ — „Was für ein Festival?“ — „Das ist ein Filmfestival mit lesbisch-schwul-bi-trans-und-so-weiter Filmen. Das gibt’s schon ganz lange jedes Jahr, und ich geh da immer sehr gerne hin.“ — „Aha. Und wieso?“ (hörbar mitgedacht: Du bist doch mit ’nem Mann zusammen und siehst ‚ganz normal‘ aus!) — „Naja, das ist halt meine Szene, quasi mein Zuhause, da, wo ich herkomme. Ich bin zwar jetzt mit einem Transmann zusammen, aber davor hatte ich lange Jahre Beziehungen mit Frauen.“

OP-Termine (ggf. auch im Rahmen des Themas ‚Urlaubsplanung in der Firma‘ anwendbar):

„Mein Liebster hat jetzt endlich einen OP-Termin gekriegt. Das wurde auch Zeit, der wartet jetzt schon so lange!“ — „OP? Oh je, was Schlimmes?“ — „Nein, im Gegenteil. Er ist doch Transmann und kriegt jetzt endlich seine langersehnte Brust-OP. Dann kann er im nächsten Sommer endlich mal ein enges T-Shirt anziehen und schwitzt sich nicht immer unter zig Schichten Stoff halb tot. (Optional: Ich bin also am [Soundsovielten] nicht bei der Arbeit, sondern mit ihm im Krankenhaus.)“

Überhaupt finde ich ja, dass der ganze leidige ‚offizielle Trans*prozess‘ zumindest eine Vielzahl von wunderbaren Aufhängern für ein Gespräch zum Thema „Übrigens, ich bin ein Trans*liebchen..“ bietet. Wenn man also eh dauernd auf irgendeine Genehmigung, einen Termin, oder ein Gutachten wartet, kann man die Wartezeit immerhin dazu nutzen, sich zu all diesen Dingen ein paar passende Coming-Out-Strategien zu überlegen. Wenn alles gut geht, kann man dann nämlich auch mal einem Kollegen oder der Chefin was vorjammern, wenn wieder wochenlang nichts passiert und der Liebste deshalb schon seit Wochen schlecht gelaunt ist… Und was das Transliebchen stärkt, kommt ja häufig auch dem Transmenschen selbst zu Gute. Und der Revolution sowieso.

Was habt ihr für Ideen zu Transliebchen-Outings? Wie sind eure Erfahrungen? Was klappt gut, was geht gar nicht, welche Strategie wolltet ihr schon immer mal ausprobieren? Oder, falls ihr zu denen gehört, die sich und ihren Liebsten nicht outen wollen: Wie geht es euch damit?

In die Nesseln

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Illustration_Urtica_dioica0.jpg

Ich werde das Gefühl nicht los, dass es einige weitere Disclaimer braucht, bevor ich hier wie geplant posten kann. Als Trans*partnerin öffentlich zu sprechen, heißt erfahrungsgemäß oft auch, sich mitten in sämtliche Nesseln zu setzen.

Sprechen wir also über das tückische Terrain, auf das ich mich hier wieder einmal bewege.

„Wenn du sagst, du begehrst Trans*menschen so, wie andere Leute Frauen und/oder Männer begehren, ist das eine Fetischisierung von Trans*!“

Ich kann die Abwehr ja verstehen. Schließlich ist mir auch nicht wohl dabei, wenn mich jemand ausschließlich aufgrund einer körperlichen Eigenschaft sexuell aufregend findet (z.B. wegen meiner Haarlänge, Hautfarbe oder Körbchengröße). Ich kann mir außerdem vorstellen, dass es mindestens zwiespältige Gefühle verursacht, für etwas gewollt zu werden, das man selbst an sich massiv unattraktiv und unstimmig findet (z.B. ein bestimmtes Körpergewicht). Noch dazu haben gerade Trans*frauen oft eine Menge Arbeit damit, ihr alltägliches Dasein gegen unangenehm pornographisch-voyeuristische Vereinnahmungen ihrer Körper und Sexualitäten abzugrenzen.

Aber was ist so schlimm daran, Trans*menschen, die ihr Trans*sein selbst als drittes/viertes/fünftes Geschlecht empfinden, genau wegen diesem Geschlecht anziehend zu finden? Ich selbst finde es zumindest ziemlich toll, wenn mich jemand gerade wegen meines Geschlecht (= Femme) anziehend findet und es nicht nur schulterzuckend mitnimmt, weil ich ansonsten so ein netter Mensch bin. Wir halten also fest: Ich rede hier nicht von Menschen, die sich ungebrochen und eindeutig als Frau oder Mann identifizieren (egal, was sie für eine anatomische Ausstattung mitbringen und/oder was in ihren offiziellen Papieren steht).

Mal abgesehen davon, dass mein Begehren wesentlich komplexer ist, als das eindimensionale Bild der*des tranny chaser unterstellt. Denn selbstverständlich interessieren mich an einem (für mich) erotisch spannenden Trans*menschen neben dessen Trans*sein auch geschlechtsunabhängige Dinge wie das Vorhandensein von Humor, Intelligenz und sonstigen Kompatibilitäten. Das ist alles nicht anders, wenn ich Frauen als Frauen begehre oder Männer als Männer.

„Wenn du hier über deinen Trans*partner schreibst, outest du ihn und sein Trans*sein gegen seinen Willen!“

Nun, zunächst einmal versuche ich, hier so anonym wie möglich zu bleiben, ohne deshalb nun absichtlich meinen Schreibstil zu verändern, Geschehnisse umzudatieren oder was es sonst noch an aufwendigen Verschleierungsstrategien gäbe. Das stetige Streben nach hundertprozentiger Anonymität ist mir nämlich schlicht zu anstrengend. Ich nehme daher an, dass mich vielleicht irgendwann doch die eine oder der andere genaue Beobachter*in aus meinem Offline-Umfeld erkennt. Ich hoffe dann auf einen entsprechenden Hinweis außerhalb der Öffentlichkeit und auf einen allgemein respektvollen Umgang.

Davon abgesehen ist mein Trans*partner in den meisten Bereichen seines Lebens ohnehin offen trans*. Insofern schaffe ich hier kein nennenswert größeres Risiko für ihn als das, mit dem er sowieso bereits lebt.

Trotzdem mag es vorkommen, dass ich hier mehr oder weniger persönliche Dinge über ihn schreiben muss, um meine Gefühle und Gedanken (und um die soll es hier ja vorrangig gehen) nachvollziehbar zu machen. Deshalb habe ich meinem Trans*partner von diesem Blog erzählt und ihn gleichzeitig gebeten, ihn nicht ohne mein Einverständnis zu lesen. Ich finde, das gleicht die Machtverhältnisse erstmal ganz gut aus. (Sollte sich irgendwann herausstellen, dass sich aus meinem Bloggen Probleme für ihn oder uns ergeben, werden wir gemeinsam herausfinden, wie wir damit umgehen wollen.)

Die Alternative dazu wäre nämlich konsequentes Schweigen über eigentlich alles in meinem Leben, was von seinem Trans*sein berührt wird, und das kommt für mich weder aus politischen, noch aus persönlichen Gründen in Frage. Ich finde, Partner*innen von Trans*menschen müssen (auch) öffentlich über ihre Anliegen in diesem Themenfeld sprechen können, ohne dass uns pauschal unsolidarisches oder gar transphobes Verhalten vorgeworfen wird. Auch dann, wenn es mal kompliziert, kritisch und/oder emotional wird. Mir ist außerdem wichtig, meine/unsere Privilegien und Vorurteile zu reflektieren und einen konstruktiven Umgang damit zu finden.

Und genau das ist einer der Gründe, warum ich blogge  anstatt einfach nur offline Tagebuch zu schreiben: die Hoffnung auf Rückmeldungen von denen, die diesen Blog lesen, und das Interesse am Austausch mit denen, die sich mit ähnlichen oder verwandten Themen beschäftigen.

(Bildquelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Illustration_Urtica_dioica0.jpg)