Warum?

Natürlich hätte ich auch Jahre früher anfangen können, diesen Blog zu schreiben. Ich bin ja nicht erst seit gestern mit Trans*menschen zusammen bzw. befreundet.

Manche Fragen stellen sich jedoch erst dann, wenn trans* sich auf offizielle rechtliche und/oder medizinische Wege begibt, die via Transsexuellengesetz (TSG) und Krankenkassen angeboten werden. Daher ist der aktuelle Anlass, diesen Blog zu eröffnen, dann auch ein solcher Schritt auf einem solchen Weg (wenn auch weder der erste noch der letzte, den ich miterlebe): Die Transgender Butch, mit der ich zusammenlebe, hat sich entschieden, bis auf weiteres Testosteron zu nehmen. Ich sehe diesen Schritt nach wie vor eher skeptisch und habe mich daher entschlossen, mich (und uns) auf diesem Weg ab jetzt per Blog zu begleiten. Vor allem, weil ich mir einen Raum zur regelmäßigen Reflektion über das Dasein als Trans*partnerin (aka Trans*liebchen) schaffen möchte.

Da das öffentliche Sprechen über das Trans*sein anderer immer mit einem Outing einhergeht, werde ich versuchen, diesen Blog so anonym wie möglich zu führen. Aber ich werde ihn dennoch schreiben. Denn eines habe ich in meinen bisherigen Jahren als Trans*partnerin gelernt: ständiges Schweigen macht einsam. Und weil es genug Orte gibt, an denen ich sehr wohl aus guten Gründen über das Trans*sein meines Partners schweige, soll dieser Ort ein Gegengewicht dazu sein. Ich schreibe hier also über das Leben als Trans*partnerin, so wie ich es als queere Femme erlebe und in meinem sozialen Umfeld bzw. in größeren Öffentlichkeiten mitbekomme.

Der Austausch mit eventuellen Leser*innen ist ausdrücklich erwünscht, auch wenn ich mir zunächst vorbehalte, Kommentare zu moderieren und ggf. auch zu löschen. Für Trans*phobie und sonstige fiese Kackscheiße möchte ich nämlich definitiv keinen weiteren Raum bieten.

Falls jemand mich jenseits der Kommentarmöglichkeiten kontaktieren möchte, geht das über: transliebchen bei gmx punkt net


Und warum „Trans*liebchen“?

Den Namen „Trans*liebchen“ habe ich einem Text von Andrea Rick aus „Mein Lesbisches Auge 7“, erschienen 2008 im Konkursbuch-Verlag, zu verdanken.

Für mich schwingt in diesem Begriff das trotzige Aneignen einer abwertenden Bezeichnung (vgl. „Verbrecherliebchen“, „Soldatenliebchen“, „N—liebchen“, o.ä.) mit. Das passt gut zu der Ablehnung, die mir zuweilen entgegenschlägt, wenn ich bekanntgebe, dass ich nicht nur „zufällig“ an einen Trans*menschen geraten bin, sondern meinen Partner unter anderem(!) deshalb so schätze, weil er trans* ist. (Für mehr dazu siehe z.B. hier)

Außerdem mag ich die leichte Selbstironie, die sich mit diesem Begriff aneignet, was oftmals ohnehin erwartet zu werden scheint: Dass die sonstige Identität einer Trans*partnerin hinter ihrem Status als ebensolche nahezu vollständig verschwindet. In diesem Bild ist die Partnerin eines Trans*menschen vor allem dazu da, „ihren“ Trans*menschen (v.a. Transmann) in seiner Transition zu unterstützen, koste es sie, was es wolle. Das gebieten Geschlechtsrollenstereotype, die Idee der romantische Liebe, und ein individualisierendes und pathologisierendes System der „Behandlung“ von Trans*menschen. (Ich vermute, für männliche Trans*partner gilt ähnliches, wenn es auch geschlechtsrollenbedingt weniger massiv daherkommen mag). Aber auch das ist mindestens einen eigenen Artikel wert…

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